Show Less
Restricted access

Die Situation der Schuldnerin im englischen und im deutschen Insolvenzrecht

Eine rechtsvergleichende Untersuchung

Series:

Marcel Streeck

Dieses Buch geht der Frage nach, ob das englische oder das deutsche Insolvenzverfahren aus Sicht des Rechtssubjekts zu bevorzugen ist. Diese Frage und die Wahl des Bezugspunktes beruhen auf den häufig festzustellenden Abhängigkeiten zwischen der Schuldnerin, ihren Gläubigern und den sonstigen am Verfahren beteiligten Personen und der hieraus folgenden Überlegung, dass ein gutes Insolvenzverfahren die Interessen des Rechtssubjekts hinreichend berücksichtigen muss. Der Autor gelangt u. a. zu dem Ergebnis, dass das englische Restschuldbefreiungsverfahren gegenüber der deutschen Regelung zu bevorzugen ist und dass das deutsche Verfahren über die stärkeren insolvenzrechtlichen Werkzeuge verfügt und weniger Risiken für die Schuldnerin birgt.
Show Summary Details
Restricted access

F. Ergebnis

Extract

← 262 | 263 →

F.   Ergebnis

I.   Allgemein

Zunächst ist festzustellen, dass die Verfahrensziele und grundsätzlich auch die verfahrensrechtlichen Werkzeuge in den Vergleichsländern in weiten Teilen ähnlich bis identisch sind. Das ursprüngliche Verfahrensziel der gemeinschaftlichen gleichmäßigen Gläubigerbefriedigung wurde zunächst in England, später aber auch in Deutschland um die weiteren Ziele der Sanierung, den Erhalt von Arbeitsplätzen, die Entschuldung von natürlichen Personen und den Erhalt von volkswirtschaftlichen Werten im Allgemeinen ergänzt. Die wirtschaftliche Bedeutung eines effizienten Insolvenzrechts ist in beiden Ländern erkannt worden und wird stetig überprüft und überarbeitet.

Auffälligster Unterschied zwischen den Verfahrensordnungen ist, dass das englische Insolvenzrecht im Gegensatz zu dem weitgehend einheitlichen deutschen Insolvenzverfahren eine Vielzahl von unterschiedlichen Verfahrensarten für ein mögliches Insolvenzszenario vorhält. Diese Verfahrensarten verfolgen unterschiedliche Ziele, richten sich an unterschiedliche Adressaten und sind auf unterschiedliche Szenarien ausgerichtet. Die Schuldnerin und die weiteren Beteiligten können im Gegensatz zu dem deutschen Verfahren die Zielrichtung des Insolvenzverfahrens über die Wahl der Verfahrensart bestimmen. Ihnen wird diesbezüglich auch eine höhere Eigenverantwortung abverlangt. Bei einem Gläubigerantrag gemäß InsAct 1986 sec. 117 ff. (Compulsory Winding-up) muss die Schuldnerin beispielsweise befürchten, dass ihr Geschäftsbetrieb kurzfristig zum Erliegen kommt, weil die Betriebsfortführung durch einen Liquidator nur ausnahmsweise vorgesehen ist. Diese Gefahr besteht im deutschen Verfahren nicht, da nach der deutschen Insolvenzordnung die vorläufige Betriebsfortführung indirekt sogar angeordnet wird, um den Wert...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.