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«Les queues de siècle se ressemblent»: Paradoxe Rhetorik als Subversionsstrategie in französischen Romanen des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts

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Anne Effmert

Die Literaturkritik hat immer wieder Vertreter des französischen Gegenwartsromans unter den Schlagworten Fin de Siècle und Dekadenz verortet. Die Autorin macht sich die systematische Aufarbeitung dieser meist oberflächlich gebliebenen Annäherung zur Aufgabe. Anhand einer kontrastiven diskursanalytischen Lektüre ausgewählter Romane von Michel Houellebecq, Maurice G. Dantec, J.-K. Huysmans und Octave Mirbeau zeigt sie, dass die Autoren in ihren Texten nicht nur vergleichbare Motive reproduzieren, sondern darüber hinaus eine charakteristische Subversionsstrategie verfolgen. Diese kann als paradoxe Rhetorik beschrieben werden und hat allen Romanen eine vergleichbar kontroverse Rezeption eingebracht.
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2. Paradoxe Political Correctness: von der Dreyfus- zur Islamaffäre

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Die in den Romanen Houellebecqs und Dantecs verhandelten Diskurse sind selbstverständlich größtenteils völlig andere als in À rebours und Le Jardin des supplices, da sich beide Literaturproduktionen in sehr unterschiedliche historische Kontexte und somit auch in divergierende soziolinguistische Situationen einschreiben.

Octave Mirbeaus Le Jardin des supplices situiert sich beispielsweise im Kontext der Dreyfusaffäre, die sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Romans im Jahr 1899 auf ihrem Höhepunkt befindet. 1894 wird der jüdische Offizier Alfred Dreyfus der Spionage beschuldigt und durch ein Militärgericht zur Verbannung auf die Teufelsinsel (Französisch-Guayana) verurteilt. Die öffentliche Meinung, geprägt durch einen nationalistisch motivierten Armeekult und antisemitische Ressentiments, stellt die Schuld des Hauptmanns zunächst nicht infrage. Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens führen jedoch dazu, dass die Familie des Verurteilten mit der Unterstützung berühmter Persönlichkeiten, von denen die bekannteste der Schriftsteller Émile Zola ist, ein Revisionsverfahren einfordert. Am 13. Januar 1898 veröffentlicht Zola in der Zeitung L’Aurore seinen berühmten Text „J’accuse“, einen offenen Brief an den Staatspräsidenten Félix Faure, in dem der Schriftsteller Gerechtigkeit für den unschuldig verurteilten Dreyfus fordert. Daraufhin entbrennt eine erbitterte Debatte, die die französische Gesellschaft in zwei Lager spaltet: Die sogenannten dreyfusards, die zunächst in der Minderheit sind, setzen sich im Namen von Wahrheit und Gerechtigkeit für eine Revision des Prozesses ein, während die antidreyfusards eine Infragestellung des Urteils des Militärgerichts grundsätzlich ausschlie...

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