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Denken des Empraktischen

Konstanze Caysa and Harko Benkert

Der Band thematisiert Karl Bühlers Idee des Empraktischen, fasst sie aber zugleich weiter, indem nicht nur auf sprachlich-implizites, sondern leiblich-implizites Vollzugshandeln eingegangen wird. Im Empraktischen geht es demzufolge um leiblich-implizite Wissensformen. Das Empraktische ist ein Wissen-Haben im Tun-Können. Empraktisch wissen wir, was wir wissen, solange wir nicht danach gefragt werden. Oder anders ausgedrückt: Empraktisches Wissen ist ein Wissen, das wir solange haben, solange wir es nicht metastufig problematisieren. Selbst die Reflexionswissenschaft Philosophie, deren Tun wesentlich in der Reflexion besteht, funktioniert wie Sport, Sex, Wissenschaft und Kunst auf der Basis des Empraktischen. Der Band thematisiert demzufolge das Empraktische auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Philosophie und auf der Ebene der Kunst.
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Pirmin Stekeler-Weithofer - Empraktisches Denken

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Pirmin Stekeler-Weithofer

Empraktisches Denken

Der Titel meines Aufsatzes könnte auch heißen: das Denken des Empraktischen. Dann könnte ich gleich zu Karl Bühler sprechen. Doch man kann ebenso mit Wittgenstein beginnen. Wittgenstein schreibt im „Tractatus“ unter der Nr. 4.002: „Der Mensch besitzt die Fähigkeit, Sprachen zu bauen, womit sich jeder Sinn ausdrücken lässt, ohne eine Ahnung davon haben, wie und was jedes Wort bedeutet.“ Der Satz ist schon deswegen interessant, weil er in seinem Hinweis auf den unbewussten und praktischen Aspekt des Bauens von Sprachen und des Sprechens selbst zeigt, dass mein Zugang zu dem Thema des Empraktischen eng mit Problemen der Sprachphilosophie zusammenhängt. Wir verstehen Sinn, wir verstehen Sprache also zunächst immer praktisch. Wir betrachten das Sprachverstehen nur im Fall des Missglückens oder der Reflexion auf allgemeine Formen theoretisch. Wenn man übrigens 4.002 genau liest, erkennt man, dass die Passage alles andere als gut durchdacht ist. Denn natürlich haben wir eine Ahnung, was die Wörter bedeuten. Empraktisch wissen wir sehr wohl, was wir tun, wenn wir sprechen, sogar, wenn wir neue Sprachen entwickeln. Der Satz geht dann so weiter: „Wie man auch spricht, ohne zu wissen wie die einzelnen Laute hervorgebracht werden. Die Umgangssprache ist ein Teil des menschlichen Organismus und ist nicht weniger kompliziert als dieser. […] Die Sprache verkleidet den Gedanken.“ Das ist in einem gewissen Sinn völlig richtig. Ich kontrolliere selbstverständlich nicht alles, was ich tue. Ich...

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