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Empraktische Vernunft

Volker Caysa

Im Anschluss an Martin Heidegger, Ernst Bloch, Karl Bühler und Pirmin Stekeler thematisiert der Band eine neue Philosophie der Praxis, die die Heideggersch-Blochsche Existenzialanalyse der Stimmungen mit einer empraktischen Handlungs- und Wissenstheorie verknüpft. Das Empraktische steht gegen die Zivilisationskrankheit der Hyperreflexivität. Wir leiden nicht an einem Übermaß von Selbstbewusstsein, sondern am Übermaß von Reflexivität. Die maßlose Rationalisierung aller Lebensbereiche löst nicht unsere Lebensprobleme, sondern schafft erst neue. Das Empraktische ist das vortheoretische Zurechtkommen in der Welt und ist gekennzeichnet durch eine begriffslose Präzision, durch die wir erfolgreich leben. Eine Philosophie des Empraktischen versucht, eine Theorie zu entwerfen für etwas, was auch ohne Theorie funktioniert.
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27. Metatropie (Sehnsucht geortet)

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27.1 Daseiende Schattenlosigkeit

Ortlosigkeit, Vagabundieren, nicht nur Zeitlosigkeit, scheint das Signum einer Zeit zu sein, in der rastlose Mobilität das Kennzeichen einer konkurrenzfähigen Existenz der Individuen ist. Wir verdrängen die Suche nach der verlorenen Zeit, in dem wir durch die Zeiten rasen, wir verdrängen unsere Ortlosigkeit, in dem wir uns glauben machen wollen, nicht nur jeden beliebigen Ort unseres Planeten erreichen zu können, sondern auch an jedem x-beliebigen Ort der Erde heimisch sein zu können – was kein Kunststück ist, wenn unsere Welt erst einmal überall dieselbe ist.

In unserer Nicht-Ortlosigkeit glauben wir in unserem Vagabundenschicksal doch noch Hoffnung zu finden. Wir rasen durch die Wüste gescheiterter Hoffnungen, durchqueren das Meer der gescheiterten Träume, rasen von Ort zu Ort, um keinen Ort zu finden, in dem wir heimisch werden könnten. Selbst die Traurigkeit immer wieder enttäuschter Hoffnungen lässt uns nicht stille stehn. Wir hoffen auf die Beschleunigung und verlieren in dieser Beschleunigung auch noch die letzte Hoffnung endlich zur Ruhe zu kommen. Entschleunigung scheint daher das Zauberwort neuer Hoffnung zu sein, aber ketten wir uns damit nicht wieder an einen Ort, dem wir entkommen wollten durch die Hoffnung auf Mobilität? Ist Immobilität unsere Hoffnung und Bodenständigkeit das Heilmittel gegen Bodenlosigkeit, Entwurzelung?

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