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Die Neue Türkei

Eine grundlegende Einführung in die Innen- und Außenpolitik unter Recep Tayyip Erdoğan

Edited By Yunus Yoldaş, Burak Gümüș and Wolfgang Gieler

Dieser Sammelband bietet einen umfassenden Einblick in das Wesen der «Neuen Türkei». Die seit 2002 ununterbrochen regierende moderat-islam(ist)ische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung und ihr damaliger Anführer und heutiger Staatspräsident Erdoğan haben den innen- und außenpolitischen Wandel der Türkei vorangetrieben und selbstbewusst die «Neue Türkei» proklamiert. Allerdings weicht die anfängliche Euphorie der Ernüchterung. Der EU-Beitrittsprozess steckt fest, während Vorwürfe über autoritäre Tendenzen, Korruption, Einmischung in die Privatsphäre, Reislamisierung der Innen- und Außenpolitik lauter werden. Experten aus Deutschland und der Türkei liefern in diesem Sammelband kritische Einblicke in die Innen- und Außenpolitik des sich im Umbau befindlichen Landes und erläutern sowohl Errungenschaften als auch Probleme der türkischen Transformationsgesellschaft.
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Zur führungscharismatischen Inszenierung des „Großen Meisters“ – Recep Tayyip Erdoğan und sein Charisma

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1.  Einleitung

“Wenn in unserem Land Urfa ruhmreich, Antep tollkühn und Maraş heldenhaft ist, dann sind Rize, Istanbul und Siirt heilige Städte. Denn diese drei Städte waren die Wegbereiter für die Geburt des größten Führers in der Geschichte der Türkischen Republik. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wurde mit dem Vorwand des Rezitierens eines Gedichts, welches in Lehrbüchern zu finden ist, verhaftet. ‚Nun kann er nicht einmal mehr Bürgermeister eines Dorfes werden‘ wurde gesagt. Aber – Gott sei Dank – wurde er, der erfolgreichste Ministerpräsident der Geschichte der türkischen Republik und so Gott will wird er ihr Präsident.”1

Dieses Zitat2 des damaligen Europaministers Egemen Bağış verdeutlicht sehr anschaulich die Stellung des gegenwärtigen türkischen Staatspräsidenten, Recep Tayyip Erdoğan, unter seinen Anhängern und Parteikollegen. Es birgt drei Elemente, die immer wieder auftauchen und zu der führungscharismatischen Inszenierung des „großen Meisters“ beitragen: (1) Die Rolle des Opfers, dem andere das Leben so schwer wie möglich mach(t)en, (2) der Rekurs auf die Religion bzw. auf das osmanische Reich und (3) der Vergleich mit dem Gründer der Republik, Mustafa Kemal Atatürk. Der folgende Text zeigt eben jene Inszenierung auf, die sich an diesen Elementen orientiert und Erdoğan zum „großen Meister“ kürt. Der große Macher formuliert trotz aller Widrigkeiten seine mit religiösen und osmanischen Verweisen gespickten Visionen, diskreditiert seine Gegner dabei als...

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