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Die Commedia dell’arte im Theater des 20. Jahrhunderts

Veit Bessenbacher

Thema des Buches ist die Commedia dell’arte und ihre Bedeutung im 20. Jahrhundert. Veit Bessenbacher beschäftigt die Weitergabe von Harlekins Narrenpritsche an Zirkus und Slapstick-Comedy. Außerdem kommt die Wiederbelebung dieser italienischen Theaterform im europäischen Regietheater zur Sprache. Darüber hinaus widmet sich der Autor dem Einfluss der Commedia dell’arte auf das zeitgenössische deutschsprachige Drama. Dabei untersucht er zehn Dramen – vom frühen 20. Jahrhundert bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts – hinsichtlich darin vorkommender Commedia dell’arte-Elemente. Das Buch schließt mit einem kurzen Ausblick auf die Zukunft der Commedia dell’arte.
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I. Einleitung

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In der Zeit, in der die Commedia dell’arte2 ihre größte Blüte erfuhr – von ihrem Ursprung im Italien des 16. Jahrhunderts, bis zu ihrem Niedergang im gesamten Europa des 18. Jahrhunderts –, ergaben sich immer neue dramatische Konstellationen aufgrund der von den Schauspielern an den Tag gelegten Kunst der Improvisation. Jeder Schauspieler versuchte sein ganzes Leben hindurch, seine persönliche Interpretation eines feststehenden Charakters, den er immer wieder verkörperte, zu perfektionieren3. Diese Grundcharaktere repräsentierten einen Querschnitt der zeitgenössischen Gesellschaft und beleuchteten somit das ganze Spektrum menschlicher Schwächen, die gewaltigen Gegensätze der vis humanae, den klaftertiefen Unterschied zwischen aufschneiderischem Schein und demütigender Wirklichkeit (repräsentiert vor allem in der Figur des Capitano). Die meisten Charaktere wurden mit standardisierten Kostümen und Masken auf die Bühne gebracht (so Pantalone, der Dottore, die diversen Zanni, wie Arlecchino und Brighhella, um nur die wichtigsten zu nennen). Dies ermöglichte es dem Publikum, sofort die Grundposition des Charakters zu verstehen und sich auf die vom Darsteller entwickelten Schattierungen dieses Charakters zu konzentrieren4. Das schöpferische Talent der Schauspieler wurde in der Commedia dell’arte stärker beansprucht als in jeder anderen Art des Dramas der Zeit. Die ← 9 | 10 → Darsteller arbeiteten nach Szenarien (auch canovaccii oder canevas, auf deutsch “Webrahmen” genannt), die nicht mehr als ein rudimentäres Handlungsgerüst vorgaben, daher konnte nur ihre Improvisationskunst Leben in die Aufführung bringen5. Wolff betont in diesem Zusammenhang:

“Es klingt doch wenig wahrscheinlich, daß sie sich grundsätzlich...

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