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Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

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Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
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Pop, Klassik und das Allgemeingültige − Überlegungen zur literaturwissenschaftlichen Anwendung der Markiertheitstheorie

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I

„Ein Ding kann bloß von einem anderen Ding unterschieden werden, und zwar nur insofern beide einander gegenübergestellt, entgegengestellt werden“ (Trubetzkoy [1939] 1968, 30). So formuliert Nikolai Trubetzkoy den strukturalistischen Grundgedanken, dass sich Bedeutung durch Oppositionsbildung konstituiert. Was ein Zeichen bedeutet, zeigt sich, wenn man es den anderen am System beteiligten Zeichen ‚entgegenstellt‘. Bedeutung ist sozusagen, was übrigbleibt, wenn man weiß, was ein Zeichen alles nicht ist.

Dabei wird die ‚Entgegenstellung‘, die Opposition aber nicht umsonst um einen Begriff ergänzt, der nur auf den ersten Blick synonym scheint. So ruft ‚gegenüberstellen‘ zwar zunächst genau den beschriebenen Grundsatz einer strukturalen Phonologie oder Semantik auf. Und doch unterscheiden sich ‚entgegen-‘ und ‚gegenüberstellen‘ in einem Punkt – der Operation des Vergleichs. Während ‚entgegenstellen‘ die Opposition betont – man denke an die klassische Wortfeldtheorie in der Tradition Gunther Ipsens beziehungsweise Jost Triers und deren Bedeutungszuweisung durch Demarkation −, bezeichnet die Gegenüberstellung neben der Abgrenzung eben auch ein Vergleichen. Trubetzkoys Zugang rangiert damit in erstaunlicher Nähe zu aktuellen Kulturkonzepten wie dem Dirk Bae­ckers. Kultur, so Baecker, besteht in der „Praxis des Vergleichs“ (Baecker 2000, 47). Der Vergleich als reflexiver Blick auf die eigenen Entscheidungen und Positio­nierungen ist nach Baecker das zentrale Moment kultureller Praxis. Dabei kann durchaus die Selbstverständlichkeit von Identitätsentwürfen gestört werden. „Der moderne Kulturbegriff führt das Wissen um die Kontingenz aller Lebensformen in die moderne Gesellschaft ein“ (Baecker 2000, 50). Ob Glaube oder Berufswahl, der...

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