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Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

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Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
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Literarische Wortverbundanalyse. Ein literaturlinguistischer Interpretationsansatz am Beispiel des Gewitter-Motivs in Thomas Manns „Tod in Venedig“

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Jochen A. Bär

Literarische Wortverbundanalyse. Ein literaturlinguistischer Interpretationsansatz am Beispiel des Gewitter-Motivs in Thomas Manns „Tod in Venedig“

1.Vorbemerkungen

Der vorliegende Beitrag geht – in Anlehnung an die bei Bär 20141 und Bär 2015 vorgelegten theoretischen Entwürfe – von folgender Grundannahme aus: Es gibt Zeichenrelationen auf Textebene und transtextueller Ebene (in Textgruppen, Diskursen usw.), die sich in ähnlicher Weise grammatisch-semantisch beschreiben lassen wie Zeichenrelationen auf Wortebene (morphologische Strukturen) oder auf Wortgruppenebene (syntaktische Strukturen). Zeichengefüge auf Textebene oder transtextueller Ebene nenne ich Wortverbünde (§ 28 HLR; Bär 2015, 162–187); sie sind zu denken als netzartige Zeichengeflechte, die über die Grenzen von Wörtern und Wortgruppen (zu letzteren gehören u. a. auch Sätze) hinausreichen und mehrere – theoretisch: eine unbegrenzte Anzahl – von ihnen miteinander verbinden. Besser gesagt: Sie verbinden bestimmte lexikalische oder syntagmatische Einheiten, die auf diese Weise als bifunktional erscheinen: einerseits als unmittelbare Konstituenten eines Gefüges mit Wort- oder Wortgruppencharakter, andererseits zugleich als unmittelbare Konstituenten eines Gefüges mit Wortverbundcharakter.

Die Strukturregeln, die solchen Wortverbünden zugrunde liegen, sind seitens der Textlinguistik unter den Stichwörtern Kohäsion und Kohärenz schon seit längerem beschrieben. Hauptsächlich gehört dazu a) die textphorische Verknüpfung durch Pronomina, Artikel oder Partikeln, b) die vollständige oder partielle Wiederaufnahme von Wortelementen, Wörtern oder Wortgruppen (Rekurrenz) sowie c) die isotopische Verknüpfung durch bedeutungsgleiche oder -ähnliche Ausdrücke (auch Hyperonyme, sofern sie referenzidentisch sind, und Onomatonyme2)...

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