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Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

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Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
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Gespräche über den Tod. Reformatorische Sterbebüchlein als literaturlinguistischer Forschungsgegenstand

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1.Einleitung

„Angefochtene leut sollen nicht allein sein.“1

Diese an sich triviale, aber deswegen wohl nicht weniger zutreffende Feststellung liegt nicht nur generell dem Konzept der Seelsorge zugrunde, sondern speziell auch dem der Sterbebegleitung. Jahrhundertelang war es – und ist in manchen Gegenden noch heute – üblich, den Pfarrer zu bestellen, sobald der Tod sich spürbar naht. Aus dem Bedürfnis heraus, den Geistlichen für die schwere Aufgabe des Beistands in der Todesstunde eine Handreichung zu geben, entstand im Spätmittelalter die sogenannte Ars de bene moriendi, die Kunst des heilsamen Sterbens, kurz Ars moriendi. In der bekannten Version der Bilder-Ars wurden diese Büchlein mit einer Serie von Holzschnitten versehen, die zeigen, wie im Augenblick des Sterbens gute und böse Mächte um die Seele kämpfen.

Später, sehr befördert auch durch den Buchdruck, entwickelte sich ein regelrechtes Genre der Sterbebegleitung-Texte. Diese meist ‚Sterbebüchlein‘ oder ‚Trostbuch‘ genannten Abhandlungen erlebten vor allem in Folge der Reformation einen Aufschwung, als der Bedarf nach Handreichungen entstand, die der neuen protestantischen Lehre gemäß waren. Eines der bekanntesten Beispiele ist Luthers Sermon von der bereytung zum sterben oder seine Tröstung was bey eynem sterbenden menschen zuhandeln sey.

Das eingangs gesetzte Zitat stammt aus einem Text, den ich im Folgenden näher beleuchten will. Es handelt sich um eine Kirchenordnung aus dem 16. Jahrhundert, namentlich das Agendbüchlein des Nürnberger Reformators Veit Dietrich – zu ihm später mehr.

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