Show Less
Restricted access

Literaturlinguistik – philologische Brückenschläge

Series:

Edited By Jochen A. Bär, Jana-Katharina Mende and Pamela Steen

Der Sammelband verbindet die seit Jahrzehnten konzeptionell und teilweise auch institutionell getrennten Bereiche des Fachs Germanistik: Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft. In 17 Beiträgen werden unterschiedliche thematische Bereiche, Fragestellungen und methodische Ansätze beleuchtet. Textlinguistik, Gesprächsanalyse, Dialektologie, Diskurssemantik und Bildlinguistik werden mit literarischer Hermeneutik, Erzähltheorie, Motivanalyse und Vergleichender Literaturwissenschaft in Beziehung gesetzt. Daraus ergibt sich das Plädoyer für eine neue Philologie, in der die Erkenntnisse beider Teildisziplinen des Fachs Germanistik wechselseitig zur Kenntnis genommen und füreinander fruchtbar gemacht werden.
Show Summary Details
Restricted access

Semantische und narratologische Implikationen von ADEL und ADLIGKEIT in Eichendorffs Ahnung und Gegenwart

Extract

*

Fragt man nach den semantischen und narratologischen Implikationen von ADEL und ADLIGKEIT in der Literatur, scheint zunächst nichts naheliegender zu sein als die These, dass ein adliger Verfasser in seinen Werken auch um adlige Themen kreist. Bei Joseph von Eichendorffs (1788–1857) erstem Roman Ahnung und Gegenwart (1815) bestätigt sich diese Annahme sogleich vordergründig und unmittelbar, ist doch ein Großteil der Figuren adligen Geblüts. Graf Friedrich und Graf Leontin, zwei Brüder im Herzen, sind es, deren Geschicke das Geschehen maßgeblich bestimmen, wobei der Fokus von Anfang an auf Friedrich liegt. Über weite Strecken ist die Handlung in einer adligen Lebenswelt, bestehend aus regelmäßigen Jagden und gegenseitigen Besuchen auf den Landgütern und Adelssitzen der Familienangehörigen und Freunde, situiert. Die einzelnen Figuren suchen in dieser Welt ein Auskommen bzw. einen Ausweg aus ihr. Kurz: Der Roman scheint geradezu prädestiniert zu sein für eine Untersuchung der ihm inhärenten Adels- und Adligkeitsvorstellungen.

Doch ebenso unmittelbar lassen sich Einwände und Vorbehalte gegen diese allzu simplifizierende Ineinssetzung von Autor und Werk formulieren. Joseph von Eichendorff ist zwar seinem Rang nach Freiherr bzw. Baron und damit Vertreter des hohen Adels, aber er hat auch Werke verfasst, deren Hauptfigur dezidiert nicht adligen Geblüts ist – man denke an den Taugenichts in der gleichnamigen Novelle, der als Müllerssohn in die weite Welt hinauszieht, um sein Glück zu finden. Es ist also die durchaus naive Vorstellung einer Korrelation zwischen sozialer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.