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Robert Gilbert

Eine zeitgeschichtliche Biografie

Christian Walther

Erstmals wird in dieser Biografie das Leben Robert Gilberts an Hand des Nachlasses und einer Vielzahl weiterer Quellen nachgezeichnet. Sein Werk kennt fast jeder, seine Person fast niemand: Der außergewöhnliche Liedtexter und Lyriker hat mit so gegensätzlichen Komponisten wie Werner Richard Heymann («Das gibt’s nur einmal») und Hanns Eisler («Stempellied») gearbeitet. Im Wiener Exil schrieb er als «Tarner Brother», in Paris befreundete er sich mit Hannah Arendt, in New York kämpfte er ums Überleben. Er wandelte sich vom KPD-Sympathisanten zum Antikommunisten. 1949 kehrte er nach Europa zurück und arbeitete mit Erich Kästner für das Münchner Kabarett Die kleine Freiheit. Es folgte eine Karriere als Übersetzer amerikanischer Musicals wie My Fair Lady.
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II. Herkunft und Kindheit

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II.  Herkunft und Kindheit

1899: Geburt in Berlin

Am 29. September 1899 kommt „vormittags nach fünf“, also wohl am frühesten Morgen – in der Warschauer Str. 79 in Berlin-Friedrichshain, im Stralauer Viertel, ein Junge zur Welt, den der Vater, Max Winterfeld, am 3. Oktober beim Standesamt eintragen lässt. Die Mutter wird dort als Rosa Winterfeld, geborene Wagner verzeichnet. Vater und Mutter seien mosaischen Glaubens, der Sohn hat die Vornamen David Robert erhalten.34

Max und Rosa, eine gebürtige Hamburgerin, hatten am 10. April geheiratet. Es sind wohl bescheidene Bedingungen, in die der Junge da hineingeboren wird. Später wird er sagen, er sei „über’m Pferdestall“ geboren und in proletarischen Verhältnissen aufgewachsen.35 Die Mutter habe in dem Zimmer in der Warschauer Straße Hüte genäht. Die wurden dann verkauft, damit ein bisschen Geld da war. Und der Vater, im Februar 1879 in Hamburg als Sohn des Geschäftsmanns David Winterfeld und seiner Frau Caroline, geborene Dessau, geboren36, hat nachts, um sein Geld zu verdienen, Klavier gespielt in Kneipen.37 Da sei er hingelaufen, manchmal ← 33 | 34 → vier Stunden in der Nacht, um hinzukommen und zurückzukommen. So erzählt es der Sohn.

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