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Wissenschaft und globales Denken

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Franz Gmainer-Pranzl and Angela Schottenhammer

Ökonomische Dynamiken, politische Transformationen, internationale Vernetzung sowie die Kommunikation durch neue Medien sind Indikatoren einer «Globalisierung», die heute viele Bereiche des Lebens erfasst. Doch bedeutet eine solche Expansion und Internationalisierung wirtschaftlicher Prozesse, technischer Entwicklungen und politischer Ordnungen, dass «globales Denken» als (selbst)kritischer Diskurs zum Tragen kommt? In kritischem Kontrast zu Globalisierungsstrategien fragen die Beiträge dieses Bandes danach, inwiefern der Bezug auf globale Zusammenhänge die gewohnten Zugänge und Methoden der Wissenschaft herausfordert und verändert. Nicht «Globalisierung» als Erfolgsstrategie, sondern «globales Denken» als kritischer Anspruch steht im Zentrum der Überlegungen dieses Tagungsbandes.
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Globalität und Universalität Zum Dilemma zwischen vermeintlicher Suprakulturalität und der Herausforderung der Interkulturalität für Philosophie und Theologie

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Seit rund fünfzig Jahren ist in unterschiedlichen Bereichen ein Prozess im Gange, der unter dem gemeinsamen Nenner der „Globalisierung“ zusammengefasst wird. Dieser Prozess macht mit der Erkenntnis ernst, dass die Erde rund ist, also ein „Globus“, der in sich abgeschlossen und endlich ist. Ganz augenscheinlich drang diese Erkenntnis zum ersten Mal ins Bewusstsein einer großen Anzahl von ErdbewohnerInnen, als in den 1960er Jahren die ersten Bilder des „blauen Planeten“ von einer Raumsonde aus gemacht und in unzähligen Reproduktionen immer und immer wieder vor Augen geführt wurden. Was zuvor noch eine relativ abstrakte und sinnlich nicht erfahrbare Erkenntnis war, wurde mit diesem Perspektivenwechsel plötzlich zu einer unumstößlichen Wahrheit: wir alle leben auf diesem einen Boot „Erde“ inmitten eines kosmischen Ozeans unermesslicher Größe.

Dem wachsenden Bewusstsein der „Globalität“ und der unleugbaren Endlichkeit irdischer Existenz stellten sich aber zeitgleich die gegenläufigen Tendenzen einer radikalen Aufteilung dieses einen Globus in drei oder gar vier „Welten“ und später in einen „globalen Süden“ und „globalen Norden“, aber auch die vermeintliche Grenzenlosigkeit wirtschaftlichen und technologischen Wachstums zur Seite. Damit setzte sich ein Prozess fort, der schon lange vor der abendländischen Moderne in Philosophie und Geisteswissenschaften eingesetzt und sich schließlich im modernen Wissenschaftsideal durchgesetzt hat: die Universalisierung kontextuell bestimmter Erkenntnisse, Methoden, Wertvorstellungen und Wahrheitsansprüche. Dabei hat sich die (abendländische) Philosophie mit dem Rekurs auf den supra-kulturellen1 Kern einer philosophia perennis schon lange vor der real erfolgten Globalisierung einen Ehrenplatz...

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