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Runenschrift in der Black-Metal-Szene

Skripturale Praktiken aus soziolinguistischer Perspektive

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Florian Busch

Dieses Buch gewann den Karl H. Ditze Preis 2015

Das Buch befasst sich mit dem modernen Runengebrauch der Black-Metal-Musikszene. Germanische Runen gelten gemeinhin als eine Schrift der Vergangenheit. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass dieses altertümliche Skript auch heute noch in verschiedenen kulturellen Kontexten verwendet wird. Florian Busch beschreibt, welche sozialen und kommunikativen Motivationen hinter der Verwendung von Runenschrift stehen. Mittels der Integration von Methoden der Soziolinguistik, Diskursanalyse und Sozialsemiotik zeigt er, wie Runen im visuellen Szenestil zur Konstruktion bestimmter sozialer Identitäten inszeniert werden. So ergibt sich ein Verständnis für die Prozesse der soziokulturellen Positionierung durch Schriftgestalt.
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4. Triangulierende Untersuchung von Runen im Black Metal

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4.1Methodologische Ausrichtung

Aus der theoretischen Grundlegung in Kapitel 2 und der Vorstellung des Forschungsgegenstands und des Forschungsfelds in Kapitel 3 ergeben sich einige methodologische Schlussfolgerungen, die das Untersuchungsdesign dieser Studie bedingen. Zur Erläuterung werden zunächst die wichtigsten Punkte der bisherigen Diskussion rekapituliert, um schließlich die methodologische Basis der Analyse begründet zu präsentieren.

Ausgangspunkt der theoretischen Grundlegung war zunächst die Beobachtung, dass Schriftlichkeit als ‚neuentdeckter‘ Gegenstand der Soziolinguistik (Kap. 2.1) mittels verschiedener Formen von Variation soziale Indexikalität entfalten kann (Kap. 2.2). Analog zu soziolinguistischen Phänomenen der Mündlichkeit hat Schriftlichkeit gerade aufgrund ihrer Materialität und Multimodalität das Potential inne, bestimmte kulturell verfestigte Bedeutungen zu konnotieren (Kap. 2.3). Skripturale Varianten wirken so stets als Kontextualisierungshinweise, die im Sinne der interaktionalen Soziolinguistik Kommunikate und SchreiberInnen situativ und sozial verorten und so überhaupt erst auf Basis eines von allen KommunikationsteilnehmerInnen geteilten ‚graphischen Wissens‘ interpretierbar machen (Kap. 2.4). Die konnotative Bedeutung bestimmter Varianten oder Sets von Varianten ist dabei Produkt gesellschaftlicher Enregisterment-Prozesse, in denen durch wiederkehrende Gebrauchszusammenhänge und metaskripturalen Aushandlungen eben jenes ‚graphische Wissen‘ performativ konstruiert und konstituiert wird (Kap. 2.5). Diese Wissenskonstituierung ist dabei folglich in ihrer Reichweite gesellschaftlich stratifiziert. Insbesondere der Blick auf die semiotischen Prozesse innerhalb von Subkulturen verdeutlicht dies (Kap. 2.6.1): Skripturale Variation lässt sich als wesentlicher Teil von Szene-Stilen beobachten (Kap. 2.6.2), die von Szene-AkteurInnen zur ‚authentischen Selbststilisierung‘ im Sinne eines ‚sozialen Stils‘ der Schriftlichkeit genutzt wird (Kap. 2.6.3). Die...

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