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Runenschrift in der Black-Metal-Szene

Skripturale Praktiken aus soziolinguistischer Perspektive

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Florian Busch

Dieses Buch gewann den Karl H. Ditze Preis 2015

Das Buch befasst sich mit dem modernen Runengebrauch der Black-Metal-Musikszene. Germanische Runen gelten gemeinhin als eine Schrift der Vergangenheit. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass dieses altertümliche Skript auch heute noch in verschiedenen kulturellen Kontexten verwendet wird. Florian Busch beschreibt, welche sozialen und kommunikativen Motivationen hinter der Verwendung von Runenschrift stehen. Mittels der Integration von Methoden der Soziolinguistik, Diskursanalyse und Sozialsemiotik zeigt er, wie Runen im visuellen Szenestil zur Konstruktion bestimmter sozialer Identitäten inszeniert werden. So ergibt sich ein Verständnis für die Prozesse der soziokulturellen Positionierung durch Schriftgestalt.
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5. Metaskripturale Diskurse über Runen

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5.Metaskripturale Diskurse über Runen← 80 | 81 →

5.1Identifizierung der Teildiskurse

Ausgangspunkt der Analyse ist die Darstellung der metaskripturalen Diskurse über Runen in ihren thematischen Verflechtungen in diesem Kapitel. Der Fokus liegt dabei auf den Diskursaussagen über Runen, die sich im soziokulturellen Bereich der Black-Metal-Szene finden lassen, wenngleich ihre Spezifik besonders im Kontrast zu anderen Diskursdomänen deutlich wird. Letztlich ist es das Ziel, die typischen Wissensbestände herauszuarbeiten, die im Black Metal über Runen und ihren Gebrauch im stetigen Diskurs aktualisiert werden. Diese unterschiedlichen Wissensbestände werden konstituiert (und manifest) in den verschiedenen Themen bzw. Teildiskursen, mit denen Runen in Verbindung gebracht werden.

Dass der Runengebrauch in den verschiedenen Textsorten der Black-Metal-Szene eine gängige Praxis ist, konnte durch die Beschreibung des Artefakt-Korpus bereits dargestellt werden. Doch auch abseits des tatsächlichen Runengebrauchs sind die häufigen metaskripturalen Thematisierungen von Runen in dieser Subkultur kaum zu übersehen. So findet sich das Lexem Rune als Konstituente in verschiedenen Bandnamen (Runecaster52, Runemagick53, Runenfrost54 oder Runeblade55), Songtiteln (Under the Runes56, The Witches‘ Rune57, In the Sign of the Rune58) oder Fanzine-Namen (Runenblut). Runen bzw. vielmehr dem, womit Runen offensichtlich assoziiert werden, scheint ein besonderer Reiz für viele Black-Metal-AkteurInnen anzuhaften. Dabei eröffnet die Rekontextualisierungsgeschichte von Runen die Möglichkeit verschiedener Schwerpunktsetzungen: Runen konnotieren je nach Gebrauchszusammenhang ein altertümliches Skandinavien, Wikinger, Germanen, nordisches Heidentum, Nationalsozialismus, esoterische Magie oder ← 81 | 82 → fiktive Fantasy-Abenteuer (vgl. Kap. 3.2). Die Darstellung des Szene-Stils des Black Metal (vgl. Kap. 3.3) konnte aufzeigen,...

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