Show Less
Restricted access

Runenschrift in der Black-Metal-Szene

Skripturale Praktiken aus soziolinguistischer Perspektive

Series:

Florian Busch

Dieses Buch gewann den Karl H. Ditze Preis 2015

Das Buch befasst sich mit dem modernen Runengebrauch der Black-Metal-Musikszene. Germanische Runen gelten gemeinhin als eine Schrift der Vergangenheit. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass dieses altertümliche Skript auch heute noch in verschiedenen kulturellen Kontexten verwendet wird. Florian Busch beschreibt, welche sozialen und kommunikativen Motivationen hinter der Verwendung von Runenschrift stehen. Mittels der Integration von Methoden der Soziolinguistik, Diskursanalyse und Sozialsemiotik zeigt er, wie Runen im visuellen Szenestil zur Konstruktion bestimmter sozialer Identitäten inszeniert werden. So ergibt sich ein Verständnis für die Prozesse der soziokulturellen Positionierung durch Schriftgestalt.
Show Summary Details
Restricted access

6. Runen in den Artefakten des Black Metal

Extract

6.Runen in den Artefakten des Black Metal← 100 | 101 →

6.1Komposition und syntaktische Dichte

Runen sind stets in Relation zu ihrer kontextuellen Umgebung zu untersuchen. Dabei ist nicht nur die soziokulturelle und situative Verortung des Artefakts von Belang, sondern auch und besonders der direkte multimodale Kotext. Ausgehend von der sozialsemiotischen Bildanalyse (vgl. KRESS/VAN LEEUWEN 1996) sollen im Folgenden zunächst die Analysedimensionen herausgestellt werden, in denen die Gestalt eines Artefakts in seiner Gesamtheit analysiert wird, um daran anschließend die Stellung und Funktion des integrierten Runenelements als Teil der „komplexen Einheit“ (FIX 2001) zu bestimmen. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Teilelemente multimodaler Artefakte hierarchisch strukturiert sind: Innerhalb des Gesamttextes können beispielsweise sprachliche Zeichen aufgrund ihrer exponierten Stellung im Zentrum dominanter wirken als bildliche Zeichen, die in der Peripherie stehen – oder andersherum. Kress und van Leeuwen entwickeln zur Beschreibung dieser Relationen eine multimodale Kompositionsanalyse, die sich auf die drei interagierenden semiotischen Prinzipien ‚Informationswert‘, ‚Rahmung‘ und ‚Auffälligkeit‘ konzentriert (vgl. KRESS/VAN LEEUWEN 1996: 183).

Der ‚Informationswert‘ eines Textelements ergibt sich durch die räumliche Positionierung im Gesamttext. Steht es im Zentrum oder in der Peripherie, oben oder unten, rechts oder links? Kress und van Leeuwen argumentieren, dass die Anordnungspositionen im Layout auf Basis einer kulturell bedingten „visual literacy“ (s. ebd.: 186) mit bestimmten Bedeutungen verknüpft sind.71 Dabei behandeln sie zunächst polarisierte Layouts, bei denen Elemente rechts und links bzw. oben oder unten angeordnet sind. Der polarisierten Positionierung steht die zentrale gegen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.