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Der Kampf um den öffentlichen Raum

Prozessionen, Wallfahrten, Feierlichkeiten bei Bischofsbesuchen, Papstfeiern und sonstige religiöse Feste im nördlichen Rheinland während des Kulturkampfes

Volker Speth

Das Buch leistet einen Beitrag zur Geschichte des Kulturkampfes im nördlichen Rheinland (Regierungsbezirke Düsseldorf, Aachen und Köln) und zur Geschichte des Grundrechts auf öffentliche kollektive Religionsausübung. Der preußische Staat beschnitt im Kulturkampf (1871–1887) das schon in der preußischen Verfassung von 1850 verbürgte Recht, seinen Glauben und seine Kirchenverbundenheit auch gemeinschaftlich in der Öffentlichkeit zu bekunden, indem er religiöse Kulte und Feiern teils partiell, teils vollständig aus dem öffentlichen Raum zu verbannen suchte. Konkret geht es um die Reglementierung und Einschränkung von Prozessionen und Wallfahrten, von Ehrungsfeierlichkeiten für Bischöfe, von Papstfeiern und von sonstigen religiösen Festen und Großereignissen.
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3. Prozessionen und Wallfahrten

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In diesem Kapitel geht es um Prozessionen und Wallfahrtszüge,1 d.h. um gemeinschaftliche und geordnete religiöse Gänge, die in der Regel von der Pfarrkirche ausgehen und in ihr enden. Während Prozessionen im engeren Sinne im innerörtlichen oder zumindest – z.B. bei Flurprozessionen – im kommunalen Nahbereich verbleiben und, wie z.B. die Fronleichnamsprozession2, häufig theophorisch sind, also die geweihte Hostie in einer Monstranz mitführen, verlassen Wallfahrtszüge den Heimatort, um zielgerichtet einen auswärtigen Gnadenort mit einem Kultobjekt (Heiligenbild, Reliquie) oder einer Marienerscheinungsstelle als Mittelpunkt aufzusuchen. Ein Zwitter sind die Prozessionen von Firmlingen zu einem zentralörtlichen Firmungsort, weil sie einerseits die Heimatpfarrei verlassen, andererseits aber keiner Gnadenstätte, sondern einer bischöflichen Sakramentenspendung zustreben. Da sich Prozessionen und Wallfahrtszüge in ihrem äußeren Erscheinungsbild stark ähnelten und viele Gemeinsamkeiten aufwiesen, wurden sie im innerbehördlichen Schriftverkehr und in den diversen Verordnungen nur wenig unterschieden, vielmehr meist unter dem – dann als Oberbegriff fungierenden – Terminus ‚Prozession(en)‘ gemeinsam thematisiert und reguliert. Bisweilen ist nur aus dem Zusammenhang erschließbar, ob der Ausdruck ‚Prozessionen‘ im engeren Sinn gemeint ist oder auch die Wallfahrtsprozessionen mitumfasst oder nur die Letzteren anspricht. Entsprechend der Behördensicht und -praxis werden deshalb auch in diesem Kapitel Prozessionen und Wallfahrten gemeinsam abgehandelt. Wenn es um den Gesamtkomplex der kollektiven, formierten, außerkirchengebäudlichen öffentlichen Züge, also um Prozessionen, Wallfahrten, Bittgänge, Flurumgänge, Patroziniumsfahrten, Firmlingszüge usw. geht, wird dies in Anlehnung an die zeitgenössische Gepflogenheit mit dem Zusatz...

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