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Der Kampf um den öffentlichen Raum

Prozessionen, Wallfahrten, Feierlichkeiten bei Bischofsbesuchen, Papstfeiern und sonstige religiöse Feste im nördlichen Rheinland während des Kulturkampfes

Volker Speth

Das Buch leistet einen Beitrag zur Geschichte des Kulturkampfes im nördlichen Rheinland (Regierungsbezirke Düsseldorf, Aachen und Köln) und zur Geschichte des Grundrechts auf öffentliche kollektive Religionsausübung. Der preußische Staat beschnitt im Kulturkampf (1871–1887) das schon in der preußischen Verfassung von 1850 verbürgte Recht, seinen Glauben und seine Kirchenverbundenheit auch gemeinschaftlich in der Öffentlichkeit zu bekunden, indem er religiöse Kulte und Feiern teils partiell, teils vollständig aus dem öffentlichen Raum zu verbannen suchte. Konkret geht es um die Reglementierung und Einschränkung von Prozessionen und Wallfahrten, von Ehrungsfeierlichkeiten für Bischöfe, von Papstfeiern und von sonstigen religiösen Festen und Großereignissen.
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iii. Regierungsbezirk Aachen

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Im Regierungsbezirk Aachen, in welchem an sich seit dem Ministerialerlass vom 26. August 1874 prozessionsbezüglich weitgehend die gleichen Rechtsvorschriften galten wie im Regierungsbezirk Düsseldorf, wurden in der administrativen Praxis teils ähnliche, teils schärfere, teils aber auch weniger hohe Anforderungen für die Zuerkennung bzw. Belassung des vor einer einfachen Kulteliminierung feienden Althergebrachtheitsstatus gestellt. Prozessionen pp., welche bei Erlass des Vereinsgesetzes im Jahr 1850 noch nicht eingebürgert waren oder nach 1850 zeitweilig oder dauerhaft nicht von einem Geistlichen begleitet wurden, vorübergehend unterblieben waren, ihre Verrichtungsmodalitäten bezüglich Zeit, Ort, Form und Bedeutung beispielsweise durch die Auswechslung des Zielorts gravierend änderten, konnten auch im Regierungsbezirk Aachen nicht in den Genuss des Althergebrachtheitsprivilegs gelangen bzw. verloren es wieder mit der Konsequenz einer Verpflichtung zur jedesmaligen Einholung einer polizeilichen Genehmigung, deren Erteilung von den oben genannten strengen Bedingungen abhängig war. So verweigerte der Landrat von Schleiden den Wallfahrtszügen nach Trier, Heimbach, Barweiler und zum Michelsberg bei Münstereifel die Altherkömmlichkeitsqualität, weil sie erst seit Anfang der 1860er Jahre von einem Geistlichen begleitet wurden und die drei letzteren auch zeitweise ausgefallen waren.323 – Zwei vom Bürgermeister von Rödingen gemeldeten Prozessionen konnte das Althergebrachtheitsattribut nicht zugesprochen werden, weil sie erst seit 1861 stattgefunden hatten.324 – Als ein Brudermeister aus Bourheim beim Landrat von Jülich anfragte, ob der örtliche Musikverein die Gesänge der Prozession nach Rott mit Instrumentalmusik begleiten dürfe,325 verpflichtete ihn der Landrat noch 1883 zur unbedingten Traditionstreue: Die Begleitung...

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