Show Less
Restricted access

Ästhetik des Schwingens

Series:

Peter Zajac

Das Thema der Monographie sind nichtlineare Prozesse, Oszillationen, Resonanzen, Pulsierungen und Schwingungen in Literatur und Kultur, die Edmund Burke als sublim und Immanuel Kant als erhaben bezeichnet haben und für die Walter Benjamin den Begriff der Jetztzeit, Theodor W. Adorno der apparition und Karl Heinz Bohrer den der Plötzlichkeit verwenden. Es handelt sich dabei oft um latente Prozesse, wie sie Hans Ulrich Gumbrecht beschrieb, da diese die allerfeinsten Differenzen reflektieren. Diese unmerklichen Bewegungen und Nuancen sind spezifisch für jene Impulse, welche das epiphane Wesen der Ästhetik des Schwingens verkörpern. In literarischen Ereignissen handelt es sich um synoptische Prozesse und Interferenzen. Von ihnen führt der Weg zum zeitgenössischen Begriff des Erhabenen und zur Ästhetik des Schwingens bzw. zur interferentiellen Ästhetik, die zu Schlüsselbegriffen dieser Publikation wurden.
Show Summary Details
Restricted access

Schwejk und die Erhabenheit des Banalen

Extract



           Meinem Vater

Josef Schwejk* verkörperte schon Vieles. Von Anfang an wurde er jedoch nicht nur als literarische Figur wahrgenommen, sondern vor allem als lebendige Person, was paradoxerweise eine Folge seiner ausdrücklichen Allegorisierung war: Schwejk sollte schließlich zum Prototyp der allgemeinen Eigenschaften des tschechischen Volks werden, wobei sich die Deutungen zwischen unterschiedlichen Extremen bewegten. Auf der einen Seite war er ein Volksheld, der hinter der Maske der Einfalt die Dummheit der Kriegsmaschinerie überlisten sollte, auf der anderen Seite stellte er ein ehernes Denkmal biederer Bodenständigkeit sowie die Verkörperung des „čecháčkovství“**, der infamen Ausprägung des Tschechentums dar. ← 219 | 220 →

Die Verabsolutierung der referenziellen Identifizierung der Figur mit der Person führte dazu, dass die Person Schwejk zu einem Prototyp wurde, zu einem Helden aus Fleisch und Blut, wie man ihn im Film visualisierte, aber auch als Figur im Theaterstück von Bert Brecht oder sogar als Souvenir-Püppchen bzw. Schlüsselanhänger.

Der wahrscheinlich letzte Autor, der die literarische Figur Schwejks mit der lebendigen Person des Volkshelden verschmelzen ließ, war Radko Pytlík. Er akzeptierte eine von Jaroslav Hašeks Schlüsselmystifikationen, derzufolge im Roman „die Soldaten und die Bevölkerung so sprechen und auftreten werden, wie es in der Wirklichkeit der Fall ist“ (Pytlík 1986). Pytlík bezeichnete das permanente Lächeln auf Schwejks Gesicht als Ausdruck des plebejischen Mythos, der es versteht, „das Netz aus Lügen und Phrasen, die die Welt beherrschen, zu...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.