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Ästhetik des Schwingens

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Peter Zajac

Das Thema der Monographie sind nichtlineare Prozesse, Oszillationen, Resonanzen, Pulsierungen und Schwingungen in Literatur und Kultur, die Edmund Burke als sublim und Immanuel Kant als erhaben bezeichnet haben und für die Walter Benjamin den Begriff der Jetztzeit, Theodor W. Adorno der apparition und Karl Heinz Bohrer den der Plötzlichkeit verwenden. Es handelt sich dabei oft um latente Prozesse, wie sie Hans Ulrich Gumbrecht beschrieb, da diese die allerfeinsten Differenzen reflektieren. Diese unmerklichen Bewegungen und Nuancen sind spezifisch für jene Impulse, welche das epiphane Wesen der Ästhetik des Schwingens verkörpern. In literarischen Ereignissen handelt es sich um synoptische Prozesse und Interferenzen. Von ihnen führt der Weg zum zeitgenössischen Begriff des Erhabenen und zur Ästhetik des Schwingens bzw. zur interferentiellen Ästhetik, die zu Schlüsselbegriffen dieser Publikation wurden.
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Erhabenes und Mediales. Falte, Barock und die Gruppe „A-R“

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           Šímas gezeichnete Linien sind meistens äußerst schlanke Fädchen, tastend, vibrierend;oder sie liegen an der Oberfläche, wie eine Reihe kaum angedeuteter, winziger, punktartiger Zeichen,die diskret sind wie ein durchsichtiger Farbüberzug, der die Textur der Leinwand färbt und enthüllt.Die feinen Linien, weichen Spuren, weißlichen, ergrauenden oder nachdunkelnden Töne sind meisterhaft verstreutund bei all den raffinierten Verfeinerungen mit einem ansteckenden Wesen und mit Kraft begabt.

           Meyer Shapiro

Henri Michaux schreibt 1949 die imaginäre Autobiographie „Das Leben in den Falten“. Später, 1985, nennt er ein Gedicht „Ohne Falte, ohne Rückhalt“ (Michaux 1991, 314). Und noch später, 1990, kehrt Gilles Deleuze in seinen „Unterhandlungen 1972−1990“ zum Thema der Falte bei Michaux zurück. Im Zusammenhang mit dem Problem von Punkt und Linie spricht er die Frage nach der Notwendigkeit an, die Linie zu „falten“, welche „grausam“ sei, weil sie extrem beschleunigend und sogar tödlich ist:

Ja, diese Linie ist tödlich, zu gewaltsam und zu schnell, da sie uns in eine unerträgliche Atmosphäre fortreißt, in der man nicht atmen kann. Sie zerstört jedes Denken wie die Droge, von der Michaux dann auch ablässt. Sie ist nur noch Delir oder Wahnsinn [...]. Man müsste gleichzeitig die Linie überschreiten und sie lebbar, begehbar, denkbar machen. Soweit wie möglich und solange wie möglich eine Lebenskunst daraus machen (Deleuze 1993, 160). ← 289 | 290 →

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