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Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg 1939 bis 1944

Die Aufzeichnungen des KZ-Häftlings Rudolf Wunderlich

Joachim S. Hohmann and Günther Wieland

Im März 1939 wurde Rudolf (Rudi) Wunderlich als politischer Häftling in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg eingewiesen. Hier blieb er bis zu seiner Flucht im Juni 1944. Er erlebte – zeitweilig als Mitglied eines «Außenkommandos» – den Terror der Bewacher und Mörder in unmittelbarer Nähe. In der nachfolgenden Illegalität, die bis Kriegsende andauerte, verfaßte Rudi Wunderlich seinen faktenreichen, nüchternen Bericht, der nun erstmals gedruckt vorliegt. Er nennt die Namen der Täter und ihre Verbrechen. Um Sachlichkeit bemüht, stellt er in knappen Worten den Lageralltag und seine Schrecknisse dar.
Der Historiker und Soziologe Joachim S. Hohmann und der Jurist Günther Wieland erläutern in ihren Beiträgen die Lebensgeschichte Rudi Wunderlichs und beschreiben den historischen Kontext zu seinem Bericht.
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KZ Sachsenhausen Juni 1936 bis April 1945

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Als sich die besten Sportler der Welt zum Olympischen Wettkampf in Berlin trafen, ließen die NS-Machthaber nur wenig mehr als zwei Dutzend Kilometer entfernt mit Blick auf den von ihnen vorbereiteten Krieg das KZ Sachsenhausen errichten.

Am 17. Juni 1936 hatte der Inspekteur der Konzentrationslager, SS-Gruppenführer Theodor Eicke, erneut das Waldgelände der märkischen Gemeinde besichtigt, dem schon zwei Monate zuvor seine erste Visite gegolten hatte. Am nächsten Tag beantragte er beim Preußischen Forstamt die Übereignung fiskalischen Geländes für ein neues Konzentrationslager: »Als Baufläche wird ein gleichseitiges Dreieck von je 1 km Seitenlänge für aus reichend erachtet«. Vierfach begründete er: Das KZ Esterwegen müsse zum 1. Oktober 1936 geräumt und dem Reichsarbeitsführer, Staatssekretär Konstantin Hierl, übergeben werden1. Die Gefangenen seien bis dahin mit einem SS-Totenkopfsturm nach Sachsenhausen zu verlegen. Ferner werde das Berliner KZ Columbiahaus aufgelöst, dessen Räume das Reichsluftfahrtministerium übernehme. Die dortigen Häftlinge seien ebenfalls für das neue Lager bestimmt. Letztlich habe ihn die Militärbehörde aufgefordert, »im A-Falle einige Hundert staatsgefährliche Elemente in einem Konzentrationslager in der Nähe Berlins unterzubringen.« Das sei an dem von ihm bezeichneten Ort vorgesehen.2

Noch im Juni trafen dort drei Esterwegen-Häftlinge ein, um im Baubüro tätig zu sein. Am 12. Juli folgten 50 Gefangene und 100 SS-Leute. Ende Juli kamen weitere 200 KZler aus dem Moorlager, und bis September über führte...

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