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Exil – Transfer – Gedächtnis / Exil – Transfert – Mémoire

Deutsch-französische Blickwechsel / Regards croisés franco-allemands

Marion Picker and Dorothee Kimmich

Die Beiträge dieses Bandes verbindet die Überzeugung, dass die deutsch-französischen Verhältnisse nicht in Begriffen wie Identität und Differenz abgehandelt werden können. Ihre Analysen zeigen, wie sich das Exil in eine begrüßte Lebensform verwandeln, mit Mobilität verschwimmen und sogar Verbrecher schützen kann. Anstatt mit «Transfer» ökonomische Tauschprozesse zu beschreiben, betonen sie Komponenten von transkulturellen Übertragungen wie Schwellenbewusstsein und Zeugenschaft.
Die von Marion Picker und Dorothee Kimmich versammelten Beiträge ehren den deutsch-französischen Germanisten Thomas Keller. Dorothee Kimmich und Thomas Keller haben gemeinsam den Studiengang Interkulturelle Deutsch-Französische Studien (Aix-en-Provence – Tübingen) betreut.
Une commune conviction unit les dix-sept contributions ici présentées : refuser d’appréhender les interactions franco-allemandes en termes d'identité et de différence. Leurs analyses montrent comment l'exil peut se transformer en mode de vie apprécié, transiter vers la mobilité, et assurer l’asile, non seulement aux réfugiés mais aux fugitifs en général. Elles s’attachent aux transmissions transculturelles asymétriques en valorisant le seuil, le garant et le déplacement. De la fécondité de la distance. Les contributions de ce recueil, rassemblées par Marion Picker et Dorothee Kimmich, honorent les travaux du germaniste franco-allemand Thomas Keller, qui a dirigé avec celle-ci le cursus intégré « Aire Interculturelle Franco-Allemande » (Aix-en-Provence – Tübingen).
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Exile on back street: Célines Poetik des Exils

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1.  Exil und Literatur

Die meisten deutschen Untersuchungen zum Exil beschäftigen sich naturgemäß mit der nationalsozialistischen Vertreibung von Wissenschaftlern, Schriftstellern und Künstlern im Dritten Reich. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass die damit verbundene Perspektive auf Exil und Exilanten in der Regel positiv ausfällt. Die Exilaufenthalte von Bertold Brecht, Thomas und Heinrich Mann, Leon Feuchtwanger, Alfred Döblin, Anna Seghers, Kurt Tucholsky, Franz Werfel, Stefan Zweig, Carl Zuckmayer oder Walter Benjamin werden aufgrund ihrer Vertreibung durch die Nationalsozialisten und ihrer Opposition gegen das Regime dementsprechend bewertet.1 Diese meistens positive Perspektivierung ändert sich jedoch, wenn man in die Gegenrichtung schaut und ein Exil in den Blick nimmt, das wahrhaftig nicht für sich in Anspruch nehmen kann, auf der Seite des Wahren, Schönen und Guten zu stehen, und sowohl topographisch als auch politisch einen Kontrapunkt zu den deutschen Exilanten in Frankreich und anderswo darstellt. Louis-Ferdinand Célines Exil in Deutschland und Dänemark ist im Unterschied zum durch den Nationalsozialismus verursachten Exil in diesem Sinne ein „exile on back (bad) street“. Desungeachtet bietet jedoch gerade dieses Exil für die literaturwissenschaftliche Betrachtung eine Chance, erlaubt es doch, das Exil losgelöst von der ihm inhärenten moralischen Bewertung zu betrachten, denn es handelt sich bei Céline um einen Autor, der sich durch seine antisemitischen Pamphlete zunächst ins literarische und gesellschaftliche Abseits in Frankreich gestellt hat, dann vor den heranrückenden Alliierten mit der Vichy-Regierung nach Sigmaringen geflüchtet ist und...

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