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Gewalt im Namen Gottes

Die Verantwortung der Religionen für Krieg und Frieden – 16. Ökumenische Sommerakademie Kremsmünster 2014

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Severin J. Lederhilger

Der Islamische Staat in Syrien und im Irak, die Massaker von Boko Haram in Nigeria – immer neue religiös motivierte Terrorakte rufen weltweite Betroffenheit hervor, auch unter gläubigen Menschen. Weder Bibel noch Koran rechtfertigen einfach jegliche Gewalttat oder Krieg im Namen Gottes, wenn man sich mit Sprache und Sinn dieser Texte kritisch auseinandersetzt. Der Tagungsband der 16. Ökumenischen Sommerakademie Kremsmünster 2014 dokumentiert Vorträge mit unterschiedlichem konfessionellen, religiösen und weltanschaulichen Hintergrund. Sie alle beschäftigen sich mit der Thematik religiös motivierter Gewalt aus der Perspektive der Philosophie, der Praktischen Theologie und Religionspädagogik, der Religions-, Bibel- und Islamwissenschaft. Zu Wort kommen auch Repräsentanten der Friedensarbeit im Militär, in christlichen Vereinigungen und in der kirchlichen Pastoral.
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Zur Kontingenz religiösen Gewalthandelns

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Im Europa von heute herrscht die Meinung vor, Religionen seien intolerant. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es wahrlich keinen Mangel an Nachrichten, die diese Auffassung plausibel machen. Es fehlt auch nicht an Publikationen aller Art, die Religion in toto verdammen. In den Jahren 2006 und 2007 wurde – fast könnte man sagen – eine wahre Kanonade von Verurteilungen auf sie abgeschossen: Religion sei „Gotteswahn“, schreibt Richard Dawkins; sie vergifte die Welt, lesen wir bei Christopher Hitchens; sie stehe angesichts von Terror vor ihrem Ende, erklärt Sam Harris.1 Und wer würde es bezweifeln wollen: Religionen haben Gewaltpotential. In den normativen Texten von Judentum, Christentum, Islam befinden sich Verherrlichungen von Gewalt. Dafür einige Beispiele.

Die hebräische Bibel berichtet, wie es Pinehas beim Zug durch die Wüste gelang, Gottes Zorn auf Israel abzuwenden. Das Volk hatte sich mit Moabiterinnen angefreundet und mit ihnen zusammen Opferfeste gefeiert. Als einer der Israeliten, ein Mann namens Simri, dann noch eine dieser Frauen in sein Zelt mitnahm, erhob sich der Priester Pinehas,

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