Show Less
Restricted access

Der apokalyptische Kaiser

Die Wahrnehmung Domitians in der apokalyptischen Literatur des Frühjudentums und Urchristentums

Robert Mucha

Robert Mucha widmet sich der Person des Kaisers Domitian, die neuerdings wieder im Fokus des Forschungsinteresses steht: Nach Aufgabe der These einer domitianischen Christenverfolgung wurden einige urchristliche Texte wesentlich später datiert. Bei Analyse des apokalyptischen Schrifttums stellen sich Spätdatierungen aber als unplausibel heraus. Diese Texte ermöglichen aus der Sicht einer gesellschaftlichen Minderheit einen zusätzlichen Blick auf den Prinzipat Domitians. Vor allem die motivische Verbindung zwischen Domitian und Nero prägte das Bild vom letzten Flavier – bis in unsere Zeit. Aktuelle Fragen der Forschung, etwa nach der Datierung der Johannesapokalypse, oder warum Domitian als Christenverfolger erinnert wurde, obwohl er nie Christen verfolgen ließ, können durch diese zusätzliche Sichtweise erklärt werden.
Show Summary Details
Restricted access

2.5.2. Argumente gegen eine Verfolgung unter Domitian

Extract

← 198 | 199 → a)Domitian verfolgte Oppositionelle und Philosophen.

Für Christen wie römische Oppositionelle ist gleichermaßen das Argument der verschiedenen Verfolgungen durch Domitian von Interesse: Kyniker und Stoikerwurden laut vielen übereinstimmenden Quellen vom Kaiser verfolgt. Eine dieser Stoiker-Verfolgungen fand um das Jahr 93 n. Chr. statt und richtete sich gegen stoische Philosophen, die das anscheinend immer stärker unterdrückende Regime Domitians verurteilten.1059

Schon unter Nero gab es erste Verurteilungen von Stoikern.1060 Unter Vespasian waren stoisch geprägte Senatoren wie etwa C. Helvidius Priscus betroffen.1061 Beide opponierten gegen den Prinzipat und wurden wegen Hochverrats angeklagt.1062 Dabei scheint vor allem die Auflehnung gegen den Kaiser – eine illoyale Haltung, die sich möglicherweise an der Frage der Herrscherfolge entzündet haben könnte – ausschlaggebend gewesen zu sein.1063

Gegen jegliche Form von Illoyalität ging Domitian allem Anschein nach hart vor. Pöhlmann resümiert, dass die Wurzeln der domitianischen „Philosophenvertreibung“ bereits in Neros hartem Vorgehen gegen Philosophen und Opponenten lagen.1064 Dieses Vorgehen gegen die Philosophen könnte in Kleinasien bereits den Primäradressaten der Offb bekannt gewesen sein und ihnen potenziell aufgezeigt haben, dass Domitian Gewalttaten zuzutrauen sind. Nicht der Kaiser selbst muss dabei faktisch der Urheber von Gewaltmaßnahmen gewesen sein: Agitationen von Prokonsuln etc. wurden dabei vermutlich mit dem Kaiser selbst in Verbindung gebracht. Derartige provinziale Gewaltmaßnahmen der zuständigen römischen Beamten sind auch für die Provinz Asia belegt.1065

← 199 | 200 → b)Der tyrannische Regierungsstil Domitians spricht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.