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Argumentative Strategien in deutschen und italienischen wissenschaftlichen Artikeln

Am Beispiel der Soziologie und der Sprachwissenschaft

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Tiziana Roncoroni

Gegenstand des Buches ist die Bestimmung globaler Argumentationsstrategien und -stile in wissenschaftlichen Artikeln. Ein kontrastives Verständnis der argumentativen Abläufe bringt der Autorin zufolge große Vorteile für die interkulturelle Kommunikation und Integration. So zeichnet sich der italienische Diskurs durch persönliche Komponenten, Bescheidenheitstopos, induktive, indirekte, graduelle und komplexe Argumentationen aus. Den deutschen Diskurs kennzeichnen dagegen argumentative Stärke, Direktheit und Explizitheit. Die linguistischen Studien sind öfter informativ mit teleologischen Argumenten. In der Soziologie argumentiert man komplex, aber direkt. Diese Unterschiede spiegeln einen zu fördernden Reichtum an Denkweisen und heuristischen Wegen wider.
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1. Einleitung und Zielsetzung

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1.  Einleitung und Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, argumentative Strategien unterschiedlicher wissenschaftlicher Diskurstraditionen1 (Normen im Sinne von Coseriu, z. B. 42007) durch die Analyse von gesamten Texten zu ermitteln, ohne Einschränkungen durch eine einzige theoretische Einbettung bzw. Fokussetzung auf Einzelphänomene. Die Analyse erfolgt am Beispiel von zwei Wissenschaftsgemeinschaften in der Soziologie und der Sprachwissenschaft, die auf Deutsch und Italienisch publizieren. Die Disziplinen Soziologie und Sprachwissenschaft und das Sprachpaar Deutsch-Italienisch werden exemplarisch behandelt.2

Die Wahl der Geistes- und Sozialwissenschaften erklärt sich dadurch, dass in den dazu gehörenden Fächern in einer Form kommuniziert wird, die diskursivere Ausführungen vorsieht (vgl. Redder 2009 und 2014a, für das Italienische Evangelisti 1994: 221–222)3 und diskursive Verfahren gehen „mit besonderen Sprechhandlungen […] und mit spezifischen interaktiven Prozessierungsformen wie der Argumentation und der Kritik einher“ (vgl. Thielmann/Redder/Heller 2014: 9), die im Vordergrund der vorliegenden Arbeit stehen. Außerdem werden diese Fächer weniger von den beispielsweise in den Naturwissenschaften überwiegenden, angelsächsischen Konventionen und argumentativen und textuellen Mustern beeinflusst. Darüber hinaus kommen nationalsprachliche und kulturgebundene Schreibtraditionen im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich deutlicher zum Vorschein (vgl. Thielmann/Redder/Heller 2014: 9, Schwarze 2007: 203, Konukman 2011: 69, Trumpp 1998: 17 und Busch-Lauer ← 23 | 24 → 2007: 113).4 Beide Disziplinen stellen Nischen in der Welt der Wissenschaft dar, die (noch) sehr vom nationalen wissenschaftlichen Diskurs geprägt sind (vgl. Weinrich 1995). Auch Heller stellt fest, dass die „Soziologie von der sprachlichen Vereinheitlichung des Wissenschaftsdiskurses [d. h....

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