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Die Reproduktion sozialer Ungleichheiten in der Freiwilligenarbeit

Theoretische Perspektiven und empirische Analysen zur sozialen Schließung und Hierarchisierung in der Freiwilligenarbeit

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Paul Rameder

Paul Rameder widmet sich der Frage, in welcher Form und in welchen Bereichen die Freiwilligenarbeit einen Beitrag zur Genese und Reproduktion sozialer Ungleichheiten leistet. Durch die Aura der Freiwilligkeit und Uneigennützigkeit entziehen sich die sozial nachteiligen Effekte der Freiwilligenarbeit der öffentlichen Wahrnehmung und expliziten Kritik. Die multivariaten Analysen von Mikrozensusdaten aus Österreich zeigen, dass der Zugang zur Freiwilligenarbeit in hohem Maße durch die Ressourcenausstattung der Individuen geprägt ist. Auch die Funktionsverteilung innerhalb der Freiwilligenarbeit reproduziert die ungleichen sozialen Machtverhältnisse. So tragen die Mechanismen der sozialen Schließung und Hierarchisierung auch in den Feldern der Freiwilligenarbeit zu einer Verfestigung gesellschaftlicher Ungleichheiten bei.
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Einleitung

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„Ein unerkanntes Gesetz ist wie Natur, ist Schicksal […]; ein erkanntes Gesetz erscheint als Möglichkeit von Freiheit“ (Bourdieu 2004: 44).

Die vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, der Frage nach den Beiträgen der Freiwilligenarbeit bei der Entstehung und der Reproduktion sozialer Ungleichheit nachzugehen. Diese kritische Perspektive will begründet werden. Die Freiwilligenarbeit stellt ohne Zweifel einen wichtigen gesellschaftlichen Bereich dar, ohne jener zahlreiche Leistungen und Errungenschaften, sei es im Sozialbereich, in der Katastrophenhilfe, im Rettungswesen, im Sport, im Naturschutz etc., in der aktuellen Form nicht verfügbar und finanzierbar wären. Zunehmend richten sich die Anforderungen jedoch nicht nur an die durch die Freiwilligenarbeit bereitgestellten Leistungen, sondern betreffen auch die Freiwilligenarbeit selbst. Die Freiwilligenarbeit soll zusätzlich, d.h. als ein ihr immanentes Nebenprodukt, eine sozial integrative Wirkung auf Migrantinnen und Migranten, auf Arbeitslose und auf Pensionistinnen und Pensionisten entfalten. Sie soll ein Feld für den Erwerb sozialer und fachlicher Kompetenzen darstellen, sie soll die Gesundheit und die Lebenszufriedenheit fördern, sie soll demokratische Grundwerte vermitteln und generell das Vertrauen in die Gesellschaft erhalten und stärken, und das, idealerweise ohne dabei bezahlte Arbeitsplätze zu gefährden bzw. zu ersetzen. Die Fülle an Anforderungen und angenommenen Wirkungen wird nur selten vor dem Hintergrund der sozialen Nebenwirkungen der Freiwilligenarbeit diskutiert. Dabei ist der Zugang zu den Freiwilligenorganisationen seit je in hohem Ausmaß sozial selektiv und die interne Aufgaben- und Funktionsverteilung spiegelt vielfach die ungleichen Machtverhältnisse der Gesellschaft wieder. Bislang haben jedoch die...

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