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Die Reproduktion sozialer Ungleichheiten in der Freiwilligenarbeit

Theoretische Perspektiven und empirische Analysen zur sozialen Schließung und Hierarchisierung in der Freiwilligenarbeit

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Paul Rameder

Paul Rameder widmet sich der Frage, in welcher Form und in welchen Bereichen die Freiwilligenarbeit einen Beitrag zur Genese und Reproduktion sozialer Ungleichheiten leistet. Durch die Aura der Freiwilligkeit und Uneigennützigkeit entziehen sich die sozial nachteiligen Effekte der Freiwilligenarbeit der öffentlichen Wahrnehmung und expliziten Kritik. Die multivariaten Analysen von Mikrozensusdaten aus Österreich zeigen, dass der Zugang zur Freiwilligenarbeit in hohem Maße durch die Ressourcenausstattung der Individuen geprägt ist. Auch die Funktionsverteilung innerhalb der Freiwilligenarbeit reproduziert die ungleichen sozialen Machtverhältnisse. So tragen die Mechanismen der sozialen Schließung und Hierarchisierung auch in den Feldern der Freiwilligenarbeit zu einer Verfestigung gesellschaftlicher Ungleichheiten bei.
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(I) Theoretische Perspektiven auf soziale Ungleichheit und Freiwilligenarbeit

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„Die soziale Welt vergibt das seltenste Gut überhaupt: Anerkennung, Ansehen, das heißt ganz einfach Daseinsberechtigung […] Weniges ist so ungleich und wohl nichts grausamer verteilt als das symbolische Kapital, das heißt die soziale Bedeutung und die Lebensberechtigung“ (Bourdieu 2001b: 309f).

Die Rolle der Freiwilligenarbeit bei der Entstehung und der Reproduktion sozialer Ungleichheit ist bislang kaum erforscht worden und infolge bislang auch nicht Ziel sozialpolitischer Interventionen geworden. Dies ist kaum verwunderlich, denn im öffentlichen wie medialen Diskurs wird primär die Einkommensungleichheit (z.B. Gini-Koeffizient) bzw. die Ungleichverteilung von Vermögen thematisiert (vgl. Pikkety 2014; Stiglitz 2012). Ökonomisches Kapital stellt jedoch nur eine von mehreren Dimensionen sozialer Ungleichheit dar (vgl. Hradil; Kreckel 2004; Solga et al. 2009). Neben dem Bildungsgrad und den mit Einkommen oftmals parallel laufenden Dimensionen wie Macht und Prestige sind, zumindest in den westlich orientierten Ländern, neue Dimensionen wie Freizeit,- Wohn- und Arbeitsbedingungen ungleichheitsrelevant geworden (vgl. Hradil 2005: 485). Je nach theoretischem Blickwinkel werden unterschiedliche Gesellschaftssysteme für die Ungleichheiten verantwortlich gemacht. Ganz vorn stehen meist das Bildungssystem, das Wirtschaftssystem sowie der Rechtsstaat, der für die Umverteilung von Vermögen zuständig ist (vgl. Rehberg 2011). Die Zivilgesellschaft und der Dritte Sektor15 werden zwar aus der Ungleichheitsdiskussion nicht explizit ausgeklammert, die Vielzahl an Freiwilligen Vereinigungen — alleine in Österreich gibt es derzeit über 116.000 Vereine — finden in der Ungleichheitsforschung jedoch keine oder nur eine randständige Beachtung. Vor dem Hintergrund differenztheoretischer (vgl....

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