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Aktualität der Metapher

Das Meer, die Metapher und die Sprache

Ina Paul-Horn

Der Bedeutung und Funktion von Metaphern nachzugehen und darüber aufzuklären, ist Aufgabe der Metaphorologie. Dieses Buch legt eine differenzierte Auseinandersetzung mit Hans Blumenbergs Metaphorologie vor, deren unterschiedliche Konzeptionen die Autorin in drei Schritten darstellt und erläutert. Ein wesentliches Ergebnis, das die Konzeptionen eint, liegt in der anthropologischen Neubestimmung des Menschen. Der speziellen Bedeutung von Meeresmetaphern in philosophischen Texten wird am Beispiel ausgewählter Autoren wie Kant, Hegel, Nietzsche, Simmel und Canetti nachgegangen, für die das Meer eine jeweils unterschiedliche metaphorologische Bedeutung hat.
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1. Was ist eine Metapher?

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1.  Was ist eine Metapher?

In diesem Abschnitt der vorliegenden Arbeit geht es um eine Reflexion des Begriffs der Metapher. Eine meiner Hypothesen ist, dass wir uns im Denken mittels Metaphern orientieren. Bevor wir auf diese orientierende Funktion der Metaphern, die auch kritisch hinterfragt werden muss, eingehen, ist eine Klärung notwendig, was Metaphern überhaupt sind.

Das Wort Metapher kommt aus dem Griechischen. Das Zeitwort metapherein bedeutet wörtlich übersetzt übertragen. Die erste Definition der Metapher wird Aristoteles zugeschrieben: Metapher ist ihm sinngemäß die Übertragung eines fremden Namens.1 Bei der Bedeutungsübertragung unterscheidet er vier Richtungen: von der Gattung auf die Art, von der Art auf die Gattung, von der Art auf die Art und die Analogie. Nur letztere entspricht dem modernen Metaphernbegriff und wird von Aristoteles als die Wichtigste erachtet. Ein Beispiel für eine Bedeutungsübertragung im Sinn der Analogie gibt Aristoteles in der Poetik: „das Alter verhält sich zum Leben, wie der Abend zum Tag; der Dichter nennt also den Abend ‚Alter des Tages‘, oder, wie Empedokles, das Alter ‚Abend des Lebens‘ oder ‚Sonnenuntergang des Lebens‘“2. Anhand des Löwengleichnisses aus der Ilias von Homer3 macht Aristoteles den Unterschied zwischen Vergleich („wie ein Löwe stürzte er auf ihn“) und Metapher („ein Löwe stürzte auf ihn“) deutlich.4 So sehr die Bildung von Metaphern im Rahmen der Rhetorik des Aristoteles noch als intellektuelle Kunst geschätzt wird, so sehr wird sie in der Folge von Logikern und Theologen beargw...

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