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Der Erste Weltkrieg

Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven

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Edited By Monika Kucner, Elżbieta Katarzyna Dzikowska and Agnieszka Godzisz

Der Band nimmt lokale Perspektiven des Ersten Weltkriegs, insbesondere der ostmitteleuropäischen Regionen, in den Blick. Die Beiträge berücksichtigen dabei besonders die multiethnische Gemengelage und die durch den Ersten Weltkrieg ausgelösten Konflikte in den regionalen Lebenswelten. Die Spannungen in den multiethnisch geprägten Gebieten ließen das bereits vor 1914 labil gewordene Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht allein an der österreichisch-italienischen Grenze, sondern auch in vielen weiteren Gebieten Ostmitteleuropas aus der Balance geraten. Anders als im Westen Europas war die Heimatfront im Osten im Wesentlichen durch den Bewegungskrieg und zahlreiche Wechsel von militärischen Besatzern geprägt. Die Situation in den unmittelbaren Kampfgebieten und in der Nähe der militärischen Fronten unterschied sich somit deutlich von den Bedingungen an der Westfront.
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„Der Krieg ist doch etwas ganz anderes, als ich gedacht hatte.“ Die Belagerung der Festung Przemyśl in weiblicher Erinnerung

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Der vorliegende Beitrag setzt sich zum Ziel, die Kriegsdarstellungen in der weiblichen Diaristik aus Galizien im Hinblick auf die Erfahrung der Stadtbelagerung zu erforschen. Die vergleichende Analyse zweier Tagebücher: Dziennik z oblężonego Przemyśla 1914–1915 [Tagebuch aus dem belagerten Przemyśl 1914–1915] von Helena Jabłońska (1994) und Im belagerten Przemysl. Tagebuchblätter aus großer Zeit (1914–15) von Ilka von Michaelsburg (eigtl. Ilka Künigl-Ehrenburg) von 1915 bzw. polnisch 2010 gewährt – nicht zuletzt durch die doppelte, nämlich die polnische und die österreichische Perspektive – aufschlussreiche Einblicke in die Krisenzeit der galizischen Vielvölkerstadt. Von besonderem Interesse ist dabei die Um-/Neudefinierung persönlicher Identität, ausgelöst durch den Zusammenbruch bisheriger Sicherheiten und verstärkt durch das Belagerungstrauma. Des Weiteren interessieren genuin weibliche Erlebnisse und (neue) Lebensentwürfe in der Welt des „modernen“, totalen Krieges, die die weibliche Alltagserfahrung im Krieg sowie individuelle Überlebensstrategien während der Belagerung der Festung Przemyśl umfassen.

Beiden gesichteten Texten wohnt eine spezielle Perspektive inne, nämlich die einer Besucherin auf Zeit, die sich freiwillig in der Stadt niederlässt. Die eigentlich in Sanok ansässige Helena Jabłońska verwaltete in Przemyśl zur Zeit der Belagerung die Immobilien ihrer Familie. Die Stadt selbst war ihr wohlbekannt, denn dort befand sich das Familiengrab und viele Verwandte lebten noch da. Ilka Künigl-Ehrenburg kam nach Przemyśl zusammen mit ihrem Mann, einem Sanitätsoffizier, und arbeitete ehrenamtlich im Militärkrankenhaus. Aufgrund der beruflichen...

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