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Der Erste Weltkrieg

Ostmitteleuropäische Einblicke und Perspektiven

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Edited By Monika Kucner, Elżbieta Katarzyna Dzikowska and Agnieszka Godzisz

Der Band nimmt lokale Perspektiven des Ersten Weltkriegs, insbesondere der ostmitteleuropäischen Regionen, in den Blick. Die Beiträge berücksichtigen dabei besonders die multiethnische Gemengelage und die durch den Ersten Weltkrieg ausgelösten Konflikte in den regionalen Lebenswelten. Die Spannungen in den multiethnisch geprägten Gebieten ließen das bereits vor 1914 labil gewordene Gleichgewicht zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht allein an der österreichisch-italienischen Grenze, sondern auch in vielen weiteren Gebieten Ostmitteleuropas aus der Balance geraten. Anders als im Westen Europas war die Heimatfront im Osten im Wesentlichen durch den Bewegungskrieg und zahlreiche Wechsel von militärischen Besatzern geprägt. Die Situation in den unmittelbaren Kampfgebieten und in der Nähe der militärischen Fronten unterschied sich somit deutlich von den Bedingungen an der Westfront.
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Die ‚Sache Brandes’ – ‚sprawa Brandesa‘. Georg Brandes‘ Presseartikel über die Zustände in Polen am Anfang des Ersten Weltkrieges im Spiegel einiger Zeitzeugnisse

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Georg Brandes (1842–1927), ein Däne mit jüdischen Wurzeln, hat sich bereits im 19. Jahrhundert eine Position als europäischer Literaturkritiker erworben. Von seinen Auslandsaufenthalten kannte er Frankreich und Deutschland recht gut. Er publizierte auch in deutscher Sprache. Seine internationalen Verbindungen konnte er auch im Ersten Weltkrieg aufrechterhalten und von dem neutralen Kopenhagen aus nach beiden Seiten der Front Briefkontakte pflegen.

Doch in der polnischen Öffentlichkeit genoss Brandes einen besonderen Ruhm: Als eine bereits prominente europäische Persönlichkeit folgte er 1885 der Einladung eines in Dänemark weilenden Warschauer Arztes, und nach dem ersten Besuch in Russisch-Polen kamen weitere Reisen in das geteilte Polen: 1886, 1894 und 1898, wobei er ebenfalls das den Habsburgern unterstellte Galizien kennenlernte. Aus seinen Polen-Besuchen erwuchsen zwei Polen-Bücher, die neben Informationen über das Land, dessen Geschichte und Kultur, auch eine politische Botschaft übermittelten, und dies in einer Zeit, als die polnische Frage in Europa eher in Vergessenheit geriet: „Polen ist mit unserer Hoffnung oder unserer Illusion vom Kulturfortschritte unseres Zeitalters verschmolzen. […] Sein völliger Untergang wäre gleichbedeutend mit dem Siege der modernen, militärischen Barbarei in Europa.“1 Eine andere, besonders emotionsgeladene Stelle aus seinem alten Polen-Buch zitiert Brandes selbst in einem seiner Artikel von 1914:

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