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KATHARINAfeier

Kritisch-theologisch-feministisch- Eine Nachlese

Series:

Edited By Anna Steinpatz, Silvia Arzt and Dominik Elmer

Der vorliegende Sammelband ist eine Zusammenstellung nahezu aller Vorträge, die im Rahmen der KATHARINAfeier an der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg seit Beginn der Veranstaltung gehalten wurden. Die Vorträge stammen aus unterschiedlichen theologischen und philosophischen Disziplinen, sind jedoch alle verbunden durch einen kritisch-feministischen Ansatz. Zusätzlich zu dieser Zusammenschau enthält das Buch einen Artikel über die Entstehungsgeschichte der KATHARINAfeier sowie über die in den letzten Jahren verstärkte Verbindung mit unterschiedlichen künstlerischen Gestaltungen.
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Dialog der Unterschiede oder „Sehnsucht nach Einheit“. Zur feministischen Kritik am totalitären Bewusstsein

I.   Einheit im Privaten, Pluralität im Politischen

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„Sehnsucht nach Einheit“: Das klingt nach einem unverfänglichen Motiv. Der folgende Beitrag stellt diese Unverfänglichkeit in Frage. Einheitskonstrukte und Einheitsstreben gehören zum Wesen totalitärer Gesellschaften, totalitärer Phänomene und totalitären Bewusstseins. Sie konfrontieren mit einem virulenten politischen Sachverhalt: der Komplizenschaft mit der Zerstörung von Pluralität und dialogischem Denken, einer Zerstörung, von der der Totalitarismus lebt.

Feminismus heißt Herrschaftskritik. Und wie jede Herrschaftskritik muss auch er sich nicht nur die Frage stellen, wie und mit welchen Mitteln Bevölkerungsgruppen einer Gesellschaft unterdrückt werden, sondern ebenso die Frage, ob und wie mit dem eigenen Zugehörigkeitswillen Herrschaft unterstützt und die Teilhabe an Herrschaft gesichert wird. Einheitskonstrukte wie „Rasse“, „Volk“, „Geschlecht“ etc. sind wirksame Herrschaftsmittel, deren Erfolg davon abhängt, inwieweit Menschen sich den Einheitsgeboten fügen, sich zu kollektiven Singularen schmieden lassen und Identitäten ausbilden, mit denen alle Nicht-Zugehörigen ausgegrenzt und bindende Über- und Unterordnungen geschaffen werden. Wünsche nach solchen Einheiten werden zu gefährlichen totalitären Symptomen, wenn sie sich im Politischen breitmachen. Die „Sehnsucht nach Einheit“ mag ihren Ort im privaten Leben haben. Außerhalb dieses begrenzten Raums aber zerstört und ruiniert sie das Politische, das das Zusammenleben der Verschiedenen organisieren und sichern soll.

Hannah Arendt hat in ihrer politischen Theorie eine strenge Unterscheidung des privaten und des öffentlichen Bereichs vorgenommen. Damit hat sie Einheits- und Einbettungsbedürfnisse keineswegs verteufelt, sie aber in den privaten Bereich verwiesen. Warum...

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