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Rettung vor Bodenlosigkeit

Neues Anfangsdenken und kosmologische Metaphern bei Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul

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Monika Tokarzewska

Monika Tokarzewska zeigt, wie Locke, Leibniz, Kant, Fichte, Novalis und Jean Paul Motive aus der nachkopernikanischen und newtonschen Astronomie in Schlüsselmetaphern verwandeln und mit ihrer Hilfe die Möglichkeiten eines neuen Grundlagendenkens und -handelns im Angesicht der Verwissenschaftlichung des Weltbildes an der Schwelle zur Moderne austaxieren. Die Autorin beschreibt auch die starken Veränderungen, denen das Metaphernnetz unterlag. So fand es im 20. und 21. Jahrhundert einen späten Niederschlag in den Überlegungen von Hannah Arendt und Bruno Latour.
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Bodenlosigkeit und Anfangsdenken. Von Weltschildkröten, archimedischen Punkten und Gravitationskräften: Locke, Leibniz und andere in Konfrontation mit dem neuen Weltbild

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John Locke distanziert sich in seinem „Versuch über den menschlichen Ver-stand“ [An Essay Concerning Human Understanding, 1700]88 in seiner bissigspöttischen Art von dem damals so wichtigen Begriff der Substanz; er tut dies mittels einer Anekdote, die aus dem Orient stammt. Es handelt sich um ein Bild kosmologischer Natur. In der Anekdote, die er zitiert und in eine Metapher verwandelt, geht es darum, wie sich die Erde im All halten könne:

Hätte jener arme indische Philosoph (der meinte, auch für die Erde müsse es einen Träger geben) nur an dieses Wort Substanz gedacht, so hätte er sich die Mühe ersparen können, einen Elefanten zum Träger der Erde und eine Schildkröte zur Trägerin des Elefanten zu machen; das Wort Substanz würde vollkommen ausgereicht haben. Der Fragesteller hätte sich, ohne zu wissen, was Substanz ist, ebenso gut mit dem Bescheid des indischen Philosophen zufrieden geben können, daß es die Substanz sei, die die Erde trage, wie wir es für eine ausreichende Antwort und für eine gute Lehre unserer ← 45 | 46 → europäischen Philosophen halten, daß die Substanz, von der man nicht weiß, was sie ist, dasjenige sei, was die Akzidenzien trage. Wir haben also keine Idee davon, was die Substanz ist, sondern nur eine verworrene und unklare Idee davon, was sie leistet.89

Wir erfahren hier von einem „indischen Philosophen“, der gefragt wird, was eigentlich die Erde trage, sowie von europäischen...

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