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Paradies und Sündenfall

Stoffe und Motive der Genesis 3-Rezeption von Tertullian bis Ambrosius

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Gabriele Spira

Die Studie untersucht die Rezeption der Paradies- und Sündenfallerzählung des Buches Genesis, welche zu den wirkmächtigsten Texten des Alten Testaments zählt. In der christlichen Literatur hat diese eine eindrucksvolle Rezeptionsgeschichte erfahren. Die Autorin nimmt einen kleinen, aber zentralen Ausschnitt aus der langen Auslegungstradition in den Blick und konzentriert sich auf die ersten christlichen lateinischen Autoren bis zum Ende des 4. Jahrhunderts. Sie stellt die nordafrikanischen Schriftsteller Tertullian, Cyprian und Laktanz, aus dem gallischen Raum Hilarius von Poitiers, schließlich die Römerin Proba und Ambrosius von Mailand vor. Das Buch zeigt deren individuelle Auswahl und Deutung von Stoffen und Motiven aus Genesis 3.
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Die Produktion lateinischer Literatur im christlichen Westen des Römischen Reiches beginnt am Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. mit dem Nordafrikaner Tertullian.1 Seine Werke widmen sich unterschiedlichen theologischen Themen und sind vor allem davon geprägt, dass er apologetische Diskurse führt, summarisch formuliert, zuerst gegen die Heiden, dann gegen christliche Häresien und schließlich gegen großkirchliche Gegner des Montanismus.2 Da Tertullian selbst diese Schwerpunke setzt, die seinem spezifischen Zeitkontext in einer notwendigen Sondierungs- und Klärungsphase christlicher Identitätsfindung entsprechen, fehlen eindeutig exegetisch angelegte Werke.

Dennoch hält eine Reihe seiner Schriften, wie die Studie zeigt, exegetische Aussagen zu biblischen Texten bereit, darunter auch zu Gen 3. In ganz besonderer Weise lassen sich aus der Auseinandersetzung Tertullians mit Marcion seine schöpfungstheologischen Positionen erkennen. Wenn Tertullian in diesem apologetisch-polemischen Kontext die Anfänge der Schöpfung reflektiert und die Eigenschaften des christlichen Gottes, seine Güte, Macht und Weisheit gegen seine Gegner verteidigt, fließen dort auch Überlegungen zum sogenannten Paradies- und Fallgeschehen ein, wobei u.a. auch die Unde malum-Thematik berührt wird. Als bedeutendstes Zugeständnis Gottes an den Menschen betont Tertullian verstärkt die menschliche Willensfreiheit, die neben Ungeduld und dem Einfluss des Teufels die ersten Menschen das göttliche Gebot übertreten ließ. Kontrastierend werden von Tertullian prä- und postlapsarischer Status einander gegenübergestellt.

Wie sich aus mehreren Hinweisen unschwer erkennen lässt, bringt Tertullian die Erkenntnis von Gut und Böse überwiegend in eine Verbindung mit...

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