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Interpassives Mittelalter?

Interpassivität in mediävistischer Diskussion

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Silvan Wagner

In diesem Band wird zum ersten Mal innerhalb der Mediävistik versucht, das vom Konzept des performative turn geprägte Bild vom interaktiven Mittelalter zu hinterfragen. Ausgangspunkt ist Robert Pfallers Entwurf eines interpassiven Aktionsmodus: Das Mittelalter wird hierbei eben nicht als interaktive Kultur gesehen, die politisch, religiös und literarisch von performativ-interaktiven Gruppenphänomenen gekennzeichnet ist. Vielmehr können Menschen, statt selbst zu agieren, Interaktion offenbar auch an andere delegieren, haben dabei aber dennoch in gewisser Weise Teil an dieser Interaktion. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Germanistik, Geschichtswissenschaft und Theologie untersuchen in den Beiträgen dieses Bandes, welche Konsequenzen sich daraus für das Bild vom interaktiven Mittelalter ergeben. Sie spiegeln die Ergebnisse einer interdisziplinären Fachtagung zum Thema «Interpassivität und Mediävistik» wider.
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Was glaubt eigentlich der Glaube?

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0. Vorbemerkungen

Der Begriff des Glaubens spielt offensichtlich nicht nur in der Theologie eine zentrale Rolle, sondern auch in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, wann immer Gesellschaften nicht nur nach ihren institutionellen Strukturen und äußeren Formen, sondern auch nach den grundlegenden Überzeugungen, den konstitutiven Welt- und Selbstwahrnehmungen und den handlungsleitenden Perspektiven der Akteure erfasst werden sollen; ‚Glaube‘ ist demnach notwendigerweise auch eine zentrale kulturwissenschaftliche Kategorie. Freilich bedeutet das keineswegs, dass Klarheit darüber bestünde, was mit dem Ausdruck ‚Glauben‘ eigentlich genau bezeichnet wird, was sein Spezifikum ausmacht und wie er sich zu anderen Arten der Weltwahrnehmung verhält. Die folgenden Überlegungen sollen zu einer Klärung des Glaubensbegriffs beitragen, indem dieser aus der Perspektive der systematischen Theologie im kulturwissenschaftlichen Kontext reflektiert.

Gerade weil die folgenden Überlegungen an der Grenze von Theologie, Kultur- und Literaturwissenschaft sowie Philosophie angesiedelt sind, ist eine grundsätzliche Klärung dessen, was ‚Glauben‘ heißen kann, notwendig, weil der Ausdruck nicht nur zwischen den Disziplinen sehr unterschiedlich gebraucht wird, sondern auch seine Verwendung innerhalb der einzelnen Disziplinen mitunter an eine Äquivokation grenzt – die Theologie nicht ausgenommen. Hier beginnt freilich auch die genuine Aufgabe der Systematischen Theologie: die Klärung und kritische Sichtung der Begriffe, mit denen die Tradition der christlichen Kirche und Theologie, aber auch die gegenwärtigen Erfahrungen wahrgenommen und formuliert werden. Solche Klärung muss einerseits innersystemisch erfolgen, also in die Selbstwahrnehmung und -beschreibung der Theologie und auch der Gläubigen zurückübersetzbar sein,1 andererseits...

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