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Mädchenfreundschaften unter dem Einfluss von Social Media

Eine soziolinguistische Untersuchung

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Martin Voigt

Das Buch beschreibt die Emotionalisierung und Standardisierung online inszenierter Mädchenfreundschaften, die Kennzeichen einer neuen Jugendkultur darstellen. Mädchen sind die aktivste Nutzergruppe der neuen Medien und sie inszenieren sich für ihre schulische Jahrgangsstufe. Sätze wie Ich liebe dich scheinen auf den virtuellen Bühnen zu einem belanglosen Gruß zu werden. Die tägliche Gefühlskommunikation und die einseitige Orientierung an Gleichaltrigen formen Freundschaften und beeinflussen die Identitätsentwicklung. Ein süßes Aussehen, Beliebtheit in der Klasse und die «allerbeste Freundin» gehören für den Typus Schulmädchen zum Selbstbild. Die engen Grenzen des sozial Akzeptierten lassen auf allen linguistischen Ebenen serielle Muster dieses Typus entstehen.
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Einleitung

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Die vorliegende Studie untersucht die virtuelle Selbstdarstellung 12- bis 16-jähriger Mädchen in sozialen Online-Netzwerken (SON). Anhand umfangreicher Korpora aus den sozialen Medien, vom Online-Profil auf Facebook bis zum selbstgemachten Video auf YouTube, wird ersichtlich, dass sich das Beziehungshandeln und die Identitätskonstruktion in Mädchencliquen stark verändert hat. Seit circa 2007 inszenieren Mädchen für ihren Online-Auftritt Freundschaften so romantisch wie Liebesbeziehungen und kultivieren ihr Idealbild eines beliebten und hübschen Schulmädchens mit bester Freundin: Allerbeste Freundinnen sind unzertrennlich und können über alles reden. Sie weinen und lachen zusammen und sie sind immer füreinander da. Sie teilen ihre Geheimnisse und niemand kann sich dazwischen drängen. In den öffentlichen Online-Gästebucheinträgen der Mädchen ist ich liebe dich der beliebteste Gruß, denn für die Gefühlskommunikation unter Freundinnen gelten auf den virtuellen Bühnen bestimmte Standards auf einem hohen emotionalen Niveau.

Seitdem SON kulturelle Tendenzen im sozialen Handeln der Teenager öffentlich abbilden, ist erstmals auch Feldforschung in einem größeren Umfang möglich, ohne dabei als Beobachter in Erscheinung zu treten. Allerdings werden diese Möglichkeiten von der Jugend(sprach)forschung bisher kaum genutzt. Klassische Befragungen medienpädagogischer Institute belegen, dass Mädchen die aktivsten Nutzer der schülernahen SON sind und dass vor allem für Mädchen die Selbstdarstellung über Online-Fotos eine große Rolle spielt. Aber wie die Mediennutzung im Detail aussieht und wie die mediale Entwicklung im Zeitraum der Jahre 2003 bis 2013...

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