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Die Familie der Fürstin

Die herzoglichen Häuser der Pommern und Sachsen im 16. Jahrhundert: Erziehung, Bücher, Briefe

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Dörthe Buchhester

Die Familie der Fürstin beschreibt das Wirken Marias von Sachsen (1515–1583) als Herzogin von Pommern im Kreis ihrer Kernfamilie hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder, des Aufbaus der ersten nachgewiesenen pommerschen Hofbibliothek und des weitgespannten Netzwerks von Korrespondenzen. Bezogen auf die Bereiche Erziehung, Bücher und Briefe werden die Handlungsspielräume einer bisher kaum wahrgenommenen Fürstin im Reformationszeitalter in ihrem Wirken für ihre Familie transparent. Dabei arbeitet Dörthe Buchhester unter anderem die Möglichkeiten eigenhändiger weiblicher Korrespondenz unter Anwendung der Systemtheorie von Niklas Luhmann heraus.
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4. Fazit: familiäre Verbundenheit im Brief

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4.Fazit: familiäre Verbundenheit im Brief

Die aus den Korrespondenzen geschöpften Informationen füllen den Rahmen, der durch die Auswertung von Hofordnungen, Inventaren und Leichenpredigten gegeben wird und ermöglichen über die Schlüssellochperspektive einen Blick in die weitgehend fremde Welt eines fürstlichen Frauenzimmers, der viele einzelne Mosaiksteine freisetzt und ein – obgleich mehrfach gebrochenes – Bild weiblicher Lebenswirklichkeit bietet. Die vorliegenden Beispiele haben gezeigt, dass im Unterscheid zur Gemahlin des regierenden Fürsten bei im Frauenzimmer lebenden, unverheirateten Fürstentöchtern wie Georgia die formale Anschlussfähigkeit im Vordergrund steht, es geht um bloßes Kontakthalten und das Aufrechterhalten der Kommunikation. Zudem sind Georgias Briefe gekennzeichnet durch die Versprachlichung supplikativer Signale. So wie Kontakt wird auch Hilfe nicht nur erbeten, sondern gelegentlich geradezu erbettelt.

Die Briefkommunikation Marias von Sachsen lässt dagegen eine andere Tendenz erkennen. Hier schreibt eine Frau, die mit der Verwendung ihrer religiösen Rhetorik in der Tradition der Ernestiner steht und sich ihrer Position bewusst ist. So wird Kontakt selbstbewusst eingefordert, Bitten klingen wie Forderungen und eine Kondolenz wie eine scharfe Mahnung.

In Abhängigkeit von Lebensalterstufen und konkreten Rollenerwartungen bestimmen sich die Handlungsspielräume fürstlicher Frauen durch die Kernfamilie. Maria von Sachsen und Georgia von Pommern haben ihre Optionen ausgeschöpft. Diese werden in der normativen Rahmensetzung durch Hof- und Frauenzimmerordnungen sowohl im innerhöfischen als auch im außerhöfischen Bereich vor allem durch Briefe greifbar. Die Kontakte zwischen Sachsen und Pommern, die gerade durch Maria...

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