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Die beiden Faust-Dramen Goethes

Jochen Bertheau

Jochen Bertheau befasst sich mit Goethes wohl bekanntesten Werk, dem «Faust I». Der Dichter selbst bezeichnete seine Arbeit gelegentlich als Fragment und widersprüchlich in der Konzeption, verteidigte aber gegenüber kritischen Lesern wie Wieland oder Luden das Prinzip, in der Poesie gebe es keine Widersprüche. In Wahrheit schloss er in Italien zwei verschiedene Faust-Dramen fast ab: Im «Ur-Faust» wurde er stark vom Scharlatan Schrepfer, in der Faustoper vom barocken Schultheater 1786 in Regensburg beeinflusst – beides ist bisher nicht untersucht worden. Mit Hilfe der Paralipomena kann man Bertheau zufolge zwei ganz verschiedene Dramen herausschälen: eine Tragödie und eine Oper. Um aufführungsreife Texte zu gewinnen, nahm der Autor minimale weitere Ergänzungen vor. Neben der eingehenden Untersuchung zur Entstehung beider Dramen erforscht Bertheau auch die Funktion der beiden Nummernpläne.
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D. Struktur und Konzeption im Römischen Plan

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Goethe selbst hat 1817 bestätigt, dass er in Italien, in Rom den „Faust“ neu plante Von all den geplanten neuen Szenen erschien in „Faust. Ein Fragment“ nur die „Hexenküche“. Erich Trunz17 datiert diese Szene bei aller Sachkenntnis falsch: „Begonnen wahrscheinlich 1788 in Rom; beendet vermutlich in der Schillerzeit.“ Trunz hatte wahrscheinlich keinen Text des „Fragments“ zur Hand. Goethe beendete also die „Hexenküche“ in Rom und veröffentlichte sie vollständig im „Fragment“. Aber schon aus dieser einen Szene kann man die neue Planung fast vollständig erschließen. Das Bühnenbild ist umfangreich und kompliziert. Zu den Figuren gehören nicht nur das Märchenwesen der Hexe, sondern auch eine ganze Familie von Meerkatzen, Vater, Mutter, einige Kinder. Das sind erst recht Märchenwesen, Tiere, die ohne Erstaunen des Zuschauers reden können. Sie erscheinen nur in dieser Szene, so dass man bei einer Rollenliste des „Faust I/II“ auf über hundert Rollen kommt. Oft gesellen sie sich zu einem Chor und singen.

Auch die Hauptfiguren unterscheiden sich stark von jenen im „Ur-Faust“. Mephisto ist der Satan selber, der sich ehrlich bemüht, Faust jeden Genuss zu verschaffen, damit dieser seine Wette verliert, um vom Teufel geholt zu werden – das wird aber nie geschehen. Deshalb spricht Mephisto mit Faust ohne Falsch, auf Augenhöhe. Die Wette gehört notwendig zu dieser Szene: Wenn Faust einen Augenblick als so schön empfindet, dass er ihn ewig erleben will, dann könne der Teufel ihn holen. Ähnlich gilt...

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