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Eugen Oker

Einer der bekannteren Unbekannten der bayerischen Literatur

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Barbara Neueder

Barbara Neueder stellt Leben und Werk des bayerischen Schriftstellers Eugen Oker (1919–2006) vor und erschließt seinen umfangreichen Nachlass. Der Autor präsentierte sich als vielfältiger Künstler, Humorist, Spielekolumnist und -erfinder, als habituell komischer Erzähler, Dramatiker und Lyriker. Er hat alle Rollen des literarischen Feldes für sich besetzt: als Autor und Kritiker, Verleger des Kuckuck & Straps-Verlages und in seinen Beziehungen zu Schriftstellerfreunden (Heuser, Amery, Richter, Henscheid). So lassen sich Struktur und lokale Eigenarten des Münchner literarischen Lebens ab 1971 rekonstruieren. Darüber hinaus belegt das Buch die Tragfähigkeit der literatursoziologischen Begrifflichkeiten Pierre Bourdieus.
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II. Praxisteil: Der Schriftsteller Eugen Oker im literarischen Feld

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II.   Praxisteil: Der Schriftsteller Eugen Oker im literarischen Feld

1.  Eugen Oker ein ‚getarnter Oberpfälzer‘ in München

Diese Aussage entstammt einem Brief Okers an Walter Höllerer aus dem Jahr 1976, in dem es heißt:

[…] [I]rgendwie ist das schon fällig, daß wir uns einmal Auge in Auge begegnen, nachdem wir uns schriftlich gedruckt und über Freundesmünder (Hans Werner, Christian der Mayer) schon mehrmals begegnet sind und so aufeinander scharf geworden sind, besonders als getarnte Oberpfälzer.229

Oker selbst fühle sich nicht als Underdog im literarischen Leben Münchens. Außerdem habe er nie einen Hehl um seine Oberpfälzer Herkunft gemacht. Er kritisiere seine Schriftstellerkollegen, die sich ihrer Abstammung schämen und diese zu verbergen suchen. Die Bezeichnung als ‚getarnte Oberpfälzer‘ sei ironisch.230 Das mag zutreffen. Es gilt aber festzuhalten, dass Eugen Okers sozialer, sprachlicher und kultureller Habitus durch seine Oberpfälzer Provenienz nachhaltig geprägt wird. Das Stigma des Oberpfälzer Mundart- und Kinderbuchautors haftet ihm über den Tod hinaus an. Obwohl Oker seine Tätigkeit als freier Schriftsteller erst nach seinem Zuzug in die Landeshauptstadt aufnimmt, bleibt er stets der Oberpfälzer Mundartdichter oder der Kinderbuchautor aus der Oberpfalz.231 Zum einen ist bekannt, dass sowohl die Mundartdichtung als auch die Kinder- und Jugendliteratur größtenteils der Trivialliteratur zugeordnet werden. Diese Tatsache an und für sich stellt für die Einordnung Okers ins literarische Feld bereits eine eher benachteiligte Position in Aussicht....

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