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Gibraltar im 18. Jahrhundert

Die Formung einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft in der Frühen Neuzeit

Jochen Hausmann

Das Buch beschäftigt sich mit bislang wenig erforschten gesellschaftlichen Entwicklungen der Frühen Neuzeit in Gibraltar, der letzten Kolonie auf dem europäischen Kontinent. Seit der Eroberung im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 entwickelte sich dort im Schatten der britischen Garnison und isoliert vom meist feindlichen spanischen Umland eine einzigartige und funktionierende Zivilgesellschaft aus Katholiken, Protestanten und Juden. Die Wurzeln dieser Gesellschaft, die heute über eine starke eigene Identität verfügt, liegen im 18. Jahrhundert – also in einer Zeit, in der die britische Politik nicht gerade durch Toleranz gegenüber Katholiken und Juden gekennzeichnet war.
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1. Einleitung

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1.Einleitung

Gibraltar,1 ein nur etwa fünf Meilen langer Kalksteinfelsen, an dessen Fuß die gleichnamige Stadt liegt, ist das einzige britische Territorium auf dem europäischen Festland. Die günstige Lage direkt am Eingang der Straße von Gibraltar lässt erahnen, dass die Geschichte Gibraltars mit der Geschichte Spaniens und der benachbarten nordafrikanischen Küste eng verwoben ist. Es sei etwa auf die Landung der arabischen Eroberer des Westgotenreichs 711 oder die Eroberung Gibraltars durch die kastilische Krone 1462 verwiesen. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Herrschaft über Gibraltar zwischen Arabern (711–1462), Kastilien (1462–1704) und Großbritannien (1704/13-heute). Insgesamt 14 Mal wurde Gibraltar belagert.2 Nicht selten ging eine erfolgreiche Belagerung Gibraltars mit dem Verlust der vorherigen Bevölkerung durch Verbannung oder Flucht einher. Auch nach der letzten erfolgreichen Belagerung 1704 während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701–13/14) bildete sich nach dem Weggang der alten Bevölkerung eine neue von Beginn an sehr heterogene Gesellschaft aus, in der die britischen Protestanten eine, wenn auch einflussreiche, Minderheit darstellten. Der größte Teil der Bevölkerung bestand aber aus Katholiken und Juden.3

Es wird also der Frage nachzugehen sein, wieso und unter welchen Umständen beziehungsweise Voraussetzungen sich diese ethnisch und religiös differenzierte Bevölkerung in Gibraltar nach der Eroberung durch eine britisch-holländische Flotte im August 17044 während des Spanischen Erbfolgekriegs ansiedelte. ← 9 | 10 →

Gerade im 18. Jahrhundert muss es doch verwundern, dass die Katholiken den größten Teil der...

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