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Gibraltar im 18. Jahrhundert

Die Formung einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft in der Frühen Neuzeit

Jochen Hausmann

Das Buch beschäftigt sich mit bislang wenig erforschten gesellschaftlichen Entwicklungen der Frühen Neuzeit in Gibraltar, der letzten Kolonie auf dem europäischen Kontinent. Seit der Eroberung im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 entwickelte sich dort im Schatten der britischen Garnison und isoliert vom meist feindlichen spanischen Umland eine einzigartige und funktionierende Zivilgesellschaft aus Katholiken, Protestanten und Juden. Die Wurzeln dieser Gesellschaft, die heute über eine starke eigene Identität verfügt, liegen im 18. Jahrhundert – also in einer Zeit, in der die britische Politik nicht gerade durch Toleranz gegenüber Katholiken und Juden gekennzeichnet war.
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5. Gibraltar 1730–1753

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5.Gibraltar 1730–1753

Zwar sollte das Verhältnis zwischen Spanien und Großbritannien nach dem Frieden von Sevilla 1729 für die folgenden zehn Jahre friedlich bleiben, das bedeutete allerdings nicht, dass damit auch Philips V. Vorhaben, Gibraltar zurückzugewinnen, aufgegeben worden wäre.207 Das Scheitern der Belagerung von 1727 hatte allerdings deutlich gemacht, dass die militärischen Mittel Spaniens hierfür nicht ausreichten. Stattdessen wurden 1731 entlang der schmalen Landzunge, die Gibraltar mit dem spanischen Umland verband, militärische Befestigungen errichtet, die den Personen- und Warenverkehr überwachen beziehungsweise verhindern sollten.208 Die Abhängigkeit Gibraltars etwa von Nahrungsmitteln aus dem spanischen Umland dürfte mittlerweile allerdings eher gering gewesen sein, zumal für die benachbarten Spanier der Schmuggel mit Tabak weitaus lukrativer war als der herkömmliche Handel mit Gibraltar.209 Die militärischen Befestigungen, aus denen die heutige Stadt La Linea hervorgehen sollte, haben am Tabakschmuggel wahrscheinlich nur wenig ändern können. Zu günstig schien die Möglichkeit, Tabak in Gibraltar billig zu kaufen, der in Spanien aufgrund des staatlichen Tabakmonopols mit großem Profit verkauft werden konnte. Ohne Zweifel wurde durch die spanischen Grenzbefestigungen auch die Isolation Gibraltars vom spanischen Umland deutlich sichtbar, so dass der Belagerungszustand wenigstens gefühlt weiter andauerte. Zudem wurden die besten Ankerplätze in der Bucht von Gibraltar unbrauchbar, da diese nun zu nah an den spanischen Geschützen lagen.210

Ungeachtet der spanischen Versuche, die Versorgung Gibraltars über den Landweg soweit wie möglich zu erschweren, sollte das Verh...

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