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Hans-Carl von Schlick (1874–1957)

Eine Biographie – Mit den Tagebüchern aus 1945

Roland Kopp

Hans-Carl von Schlick war bis 1918 Seeoffizier der Kaiserlichen Marine. Als Kommandant des Schlachtschiffes Derfflinger erlebte er die November-Revolution. In der Weimarer Republik ging er in die Privatwirtschaft. 1928 wurde er arbeitslos und verlor in der Weltwirtschaftskrise sein verbliebenes Vermögen. Nach 1933 war er u.a. in der Leitung des Kyffhäuserbundes tätig. 1941 reaktiviert, fand er im Krieg gegen die Sowjetunion als Transportoffizier Verwendung, anschließend beim Ersatzheer in Schlesien. Seit Herbst 1943 lebte Schlick mit seiner schwedischen Frau auf dem Gut seines Bruders in Mecklenburg, von wo die Familie Anfang Mai 1945 vor den nahenden sowjetischen Truppen floh. Die beiden Tagebücher Schlicks aus diesen Monaten werden hier erstmals veröffentlicht. 1957 verstarb der Kapitän z.S. a.D. 82-jährig bei Stockholm.
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5. Schlick als Kommandant von “SMS Derfflinger”. Die verhinderte “letzte Schlacht”, die Matrosenmeuterei in Wilhelmshaven und die November-Revolution von 1918

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Es muss offen bleiben, ob Schlick bei seiner negativen Kriegsende-Prognose von 1915309 ein revolutionäres Szenario vor Augen gehabt hatte, wie es dann 1918 in der kaiserlichen Marine und im Reich insgesamt Realität werden sollte. Seit dem “Kohlrübenwinter” 1916/17 kam es im Deutschen Reich verstärkt zu Proteststreiks. Gefordert wurden mehr Lohn, höhere Lebensmittelrationen und v.a. die Beendigung des Krieges310. Im Sommer 1917, als Schlick noch Kommandant des Kreuzers “SMS Straßburg” war, zeigten erste – rigide unterdrückte – Befehlsverweigerungen auf einigen Schiffen, die sich bezeichnenderweise an den extremen Beköstigungsunterschieden zwischen Offizieren und Mannschaften an Bord entzündet hatten311, dass es auch in der Hochseeflotte gärte. Von “SMS Straßburg” sind keine Zwischenfälle bekannt, jedoch verkörperten die Kommandanten wie Schlick an Bord ihrer Schiffe in jedem Fall neben ihrer Befehlsgewalt auch die Spitze jener hypertrophierten Privilegienfülle des kaiserlichen Seeoffizier-Korps, das seinen kastengleichen Sonderstatus habituell – wenn auch mit individuellen Nuancen - selbstverständlich bis selbstherrlich vor sich hertrug. Jenes extreme Statusgefälle in Kombination mit z.T. schlechter Behandlung bzw. Misshandlung der Untergebenen312 und stumpfem Dienst während der überwiegend “untätigen” Ein-satzbereitschaft der deutschen Hochseeflotte seit Kriegsbeginn ist als Hintergrund der Flotten-Unruhen von 1917 zu sehen - und dieses interne Konfliktpotential sollte bis zu den von der Marine ausgehenden Revolutions-Ereignissen des Spätjahres 1918 virulent bleiben313.

Am 29.11.1917 übernahm Hans-Carl v.Schlick, inzwischen 43 Jahre alt, das Kommando über den zur I.Aufklärungsgruppe zählenden modernen Großen Kreuzer “SMS Derfflinger”314 [>...

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