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Topik und Thema

Untersuchungen zur Informationsstruktur in deutschen und ungarischen Erzähl- und Berichtstexten

Bernadett Modrián-Horváth

Das Buch stellt ein kognitiv fundiertes konstruktionsbasiertes Modell der Informationsstruktur vor, das die Satz- und Textebene gleichermaßen berücksichtigt. Jeder Satz drückt eine spezielle Perspektive aus, realisiert durch Schemakomplexe aus Komponenten wie pronominaler und morphologischer Topikmarkierung, Wortfolge, Prosodie und Thematyp. Besonders drei Schematypen – die Themasetzung, das ereigniszentrierte Schema und die Topikkontinuierungsschema – zeigen sich theoretisch und empirisch relevant. Das Modell wird in einer deutsch-ungarischen Korpusanalyse erprobt. Die ermittelten Grundschemata weisen Korrelationen mit Texttyp, Satztyp und Inhaltstyp auf. Weitere Analysen betreffen diverse grammatische Phänomene, wie die Klammerstruktur oder die satzinitiale Stellung des schwachen Pronomens.
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4. Interpretationsmuster auf den Satzanfang bezogen

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Viele Untersuchungen bezüglich der Informationsstruktur (v. a. Arbeiten in der Generativen Grammatik aber auch traditionelle Ansätze) gehen explizit oder stillschweigend von einer Grundwortfolge und von der Transformierbarkeit der Sätze aus: Es gebe eine gemeinsame (logische) Form, aus der die anderen (aktuellen) Satzformen ableitbar sind, welche verschiedenen – pragmatischen etc. – Anforderungen angepasst werden (Illokutionstyp, kontextuelle Bindung, Kontrast usw.).76 Der gleiche propositionale Gehalt kann natürlich unterschiedlich versprachlicht werden; für die alternativen Realisierungsmöglichkeiten verwenden Daneš (1964) und Lambrecht (1994) den Terminus allosentences (‚Allo-Sätze‘) in Anlehnung auf die Termini ‚Allophon‘ und ‚Allomorph‘.77

In meiner Auffassung sind aber die verschiedenen informationsstrukturellen Muster nicht aufeinander oder auf ein gemeinsames Schema zu reduzieren, sondern sie sind verschiedene Instanziierungen von Illokutions- und Perspektivierungstypen. Die Signalisierung der Informationsstruktur geschieht in Konstruktionen (Schemata), aber die Inhaltsseite – der funktionale Pol – dieser Konstruktionen ist nicht der propositionale Gehalt einer Äußerung, sondern der Perspektivierungstyp selbst. Die Schemata kommen aus den Mitteln der Informationsstrukturierung (Intonation, Wortfolge usw.) emergent, im Laufe des Sprachgebrauchs zustande. Sie werden holistisch gespeichert und aktiviert, und spielen bei der Interpretation von Sätzen eine entscheidende Rolle. Obwohl die informationsstrukturellen Schemata eine große Varianz aufweisen, kann davon ausgegangen werden, dass es unter ihnen unmarkierte bzw. frequentere Muster gibt (so z. B. die Themasetzung in Aussagesätzen), das Defaultschema für verschiedene Inhaltstypen kann allerdings variieren (z. B. wird die Darstellung ← 103 | 104 → von Geschehnissen vorwiegend durch ‚ereigniszentrierte Schemata‘, s. u., ausgedrückt).78

Das Vorhandensein...

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