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Modelle betrieblicher Arbeitnehmerbeteiligung

Ein historisch-europäischer Rechtsvergleich zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich

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Tom Christopher Pröstler

Das Buch beleuchtet die betriebliche Arbeitnehmerbeteiligung und deren Entstehung in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und der EU aus rechtswissenschaftlicher Perspektive. In wenigen Bereichen gehen die rechtlichen Traditionen innerhalb der EU so sehr auseinander wie bei diesem Thema. Während in Deutschland gesetzlich festgelegte betriebliche Beteiligung ein prägender Teil der betrieblichen Realität ist, gibt es solche Regelungen im Vereinigten Königreich weitgehend nicht. Die europäische Gesetzgebung wiederum schreibt nur einen Minimalkonsens fest. Der Autor liefert hierzu einen historischen Überblick und stellt vier Beteiligungsmodelle aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich genauer vor.
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D. Einzelne Beteiligungsmodelle

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D. Einzelne Beteiligungsmodelle

Nach dem historischen Überblick soll nun die detaillierte Betrachtung der zu untersuchenden Beteiligungsmodelle anhand der im ersten Teil beschriebenen Methode489 folgen.

Erster konkreter Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist das betriebliche Beteiligungsmodell, das der Fabrikant Heinrich Johannes Carl Freese (*1853– †1944), beginnend in den 1880er Jahren, in seiner Berliner Jalousien und Holzpflaster Fabrik eingeführt hat und für das er selbst den von Friedrich Albert Lange geprägten490 Begriff „konstitutionelle Fabrik“ wählte. Dieses Modell eignet sich als Untersuchungsgegenstand, da es in Ausgestaltung und Funktion durch Freese selbst detailliert dokumentiert ist und auch in der zeitgenössischen und neueren Literatur eingehend Beachtung gefunden hat. Schließlich ist es eine beispielhafte Umsetzung der Idee einer konstitutionellen Fabrik, wie sie in interessierten Kreisen des deutschen Kaiserreichs immer wieder diskutiert wurde, auch wenn sich die verschiedenen Umsetzungen in der Praxis als sehr vielgestaltig darstellten.491

Freeses Berliner Jalousien und Holzpflaster Fabrik selbst war ein typischer Industriebetrieb der damaligen Zeit. Er war 1854 in Hamburg vom Vater Heinrich Freeses, Heinrich Johannes Markus Freese, gegründet worden,492 der die Leitung 1874 an den nach Berlin übergesiedelten Sohn weitergegeben hatte. Neben dem neuen Hauptwerk in Berlin gab es zeitweise Zweigstellen in Hamburg, Breslau und Leipzig sowie Betriebsstellen493 in Frankfurt am Main und Mannheim. Das Berliner Hauptwerk hatte 1888 etwa einhundert Arbeitnehmer im Winter und 200 Arbeitnehmer im Sommer, 1907 war die Zahl auf etwa 400 Arbeitnehmer im Sommer angestiegen.494 Damit gehörte Fresse nicht zu den damaligen ← 95...

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