Show Less
Restricted access

Heimatverlust in historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen der Gegenwart über Auswanderung, Flucht und Vertreibung

Series:

Sibylle Nagel

In historischen und zeitgeschichtlichen Jugendromanen über Auswanderung, Flucht und Vertreibung, soweit in den letzten Jahren erschienen, spielt das Thema des Heimatverlustes eine zentrale Rolle. Es geht in diesen Texten allerdings um mehr als nur den äußeren Vorgang des Reisens oder der Migration; sie lassen sich auch als verkappte Schilderungen eines inneren Vorgangs, einer psychischen Entwicklung lesen. Sie handeln nicht zuletzt auch vom Verlassen der Kindheit, von der Bewältigung der Adoleszenz und von der Erreichung bzw. der Verfehlung eines reifen Erwachsenenstatus. Wir haben es in gewissem Ausmaß stets auch mit psychologischen, mit Entwicklungsromanen zu tun. Der wie immer sentimental aufgeladene Rückblick auf die Heimat gilt im Grunde genommen der verlorenen Kindheit. Die Arbeit deckt einen Mechanismus der doppelten Bedeutung auf, der für viele andere Jugendromane charakteristisch ist, die auf den ersten Blick frei von aller (Entwicklungs-)Psychologie sind.
Show Summary Details
Restricted access

11. Im Zentrum: Traumatisierung durch Heimatverlust

Extract

Mit dem gleichzeitigen Verlust von Heimat- und Kindheit wird sich das folgende Kapitel befassen und der Frage nachgehen, ob und in welcher Weise eine Traumatisierung jugendlicher Protagonisten in Werken über Auswanderung, Flucht und Vertreibung literarisch zum Ausdruck gebracht ist. Dass sich Traumata, die durch Flucht und Emigration entstanden sind, real auswirken, dass sie lange, wenn nicht für immer in der Erinnerung der Betroffenen haften bleiben und gravierende Bedeutung selbst noch für die Folgegenerationen aufweisen, hat Epstein bereits 1990 in Die Kinder des Holocaust (Epstein 1990) aufgezeigt. Die Ausgangslage sei für Adoleszenten mit Migrationshintergrund verschärft, schreibt King. Als Migranten unterlägen sie besonderen Anforderungen, die als „verdoppelte Transformations-anforderung[en]“ beschrieben werden:

In beiden Hinsichten – derjenigen der Adoleszenz und der Migration – geht es um Trennung und Umgestaltung, in diesem Sinne auch um eine verdoppelte Herausforderung, um eine mit der Migration selbst verbundene Transformation sowie um die Veränderungen zwischen Kindheit und Erwachsensein. Bei adoleszenten Migranten, die selbst wandern, ist dieser Zusammenhang evident. Er gilt jedoch auch für Adoleszente der zweiten Generation, insofern die Verarbeitung der Migration intergenerational verläuft: In der Adoleszenz der Kinder werden die Migration, ihre Folgen für die Familie und die Art der Verarbeitung seitens der Eltern zwangsläufig ein Thema, mit dem sie sich auseinander setzen. […] [Es liegt nahe,] den Blick interkultureller Adoleszenzforschung zum einen auf die mit Migration und Adoleszenz verknüpften Transformationsanforderungen zu richten – zum anderen auf die Frage, welche Bedingungen für deren Bewältigung günstig...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.