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Hegel in der Kritik zwischen Schelling und Marx

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Wolfdietrich Schmied-Kowarzik

Dieses Buch thematisiert, auf zentrale Fragestellungen Hegels bezogen, die beiden grundlegendsten Kritiken seines absoluten Idealismus. Hegels Dialektik ist der Versuch, den Geist als das Übergreifende über sich als Denken und sein Anderes, das Sein, zu begreifen. Doch kann der Geist in dieser Dialektik das Sein immer nur als Gegenstand des Denkens fassen, nicht aber als eigenständige Wirklichkeit, der es selbst mit angehört. Dies arbeitet Schelling in seiner Auseinandersetzung mit der Logik seines Jugendfreundes Hegel heraus und expliziert dies insbesondere am Problembereich der Naturphilosophie. Unabhängig davon kommt etwas später Marx zu einer ganz ähnlichen Kritik, die er vor allem an Problemstellungen der Gesellschafts- und Geschichtsphilosophie darlegt.
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14. Zur Dialektik gesellschaftlicher Praxis – Differenzierungen zu Schleiermacher, Hegel und Marx

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Ethik und Gesellschaftstheorie bedeuten ursprünglich und grundsätzlich mehr als die kläglichen Reduktionismen, die heute unter diesen Begriffen traktiert werden. Zwar grenzt bereits Aristoteles, der die Disziplin der Ethik einführt, diese von der Politik ab, trotzdem ist sie bei ihm noch sowohl Fundierung als auch Teilstück einer Theorie der Sittlichkeit, zu der neben Ethik und Politik auch noch Pädagogik und Ökonomik gehören. Deutlicher noch tritt die Einheit der praktischen Philosophie als Theorie der Sittlichkeit bei ihren Begründern Sokrates und Platon hervor, wobei sie diese ausdrücklich bereits gegen die Sophistik und Rhetorik, die damaligen Formen von empirischer Gesellschaftstheorie und normativer Ethik abgrenzen.

Für Sokrates kann Sittlichkeit nur über das tugendhafte Handeln der Individuen in der Polis erfüllt werden und die praktische Philosophie, die da hinzuführen versucht, ist bei ihm deshalb radikale Kritik jeder bloß theoretischen, d. h. normativen Bestimmung von Praxis, denn jeder vermag nur aus eigener praxisphilosophischer Selbstbestimmung sein Handeln in der Polis als sittliches zu bewähren. Für Platon kann Sittlichkeit nur durch die gerechte Ordnung der Polis erfüllt werden, was jedoch politisch-revolutionär gegen die Unsittlichkeit der bestehenden Polisverfassungen nur von jenen verwirklicht werden kann, die eine periagogē, eine Umwendung zum Sittlichen selbst, vollzogen haben. Daher ist die praktische Philosophie bei Platon in der utopischen Antizipation eines gerechten Staatswesens die radikale Kritik der ← 201 | 202 → herrschenden politisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit. In Aristoteles’ Theorie der philia, von Liebe und Freundschaft, können wir so etwas wie...

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