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Die Inszenierung der Nation

Das Kaiserreich Brasilien im Zeitalter der Weltausstellungen

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Sven Schuster

Das Buch erforscht die Beteiligung Brasiliens an den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, mit denen das tropische Kaiserreich potenzielle Einwanderer und Investoren ködern wollte. Die Inszenierung einer modernen Nation im Ausland hatte nur wenig mit der von wirtschaftlicher Rückständigkeit und Sklaverei geprägten Realität gemein. So konnten die idealisierten Exponate in den Ausstellungspavillons die Spannungen im Inneren des Kaiserreichs nur bedingt verdecken. Auf den Weltausstellungen wird somit in kondensierter Form sichtbar, welche Widersprüche sich im Nationsbildungsprozess auftaten, welche globalen Einflüsse dabei eine Rolle spielten und wie bis heute nachwirkende kollektive Selbst- und Fremdbilder entstanden.
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Vorwort

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Dieses Buch ist die leicht überarbeitete Fassung meiner Habilitationsschrift zur Erlangung der Venia Legendi im Fach Geschichte Lateinamerikas. Sie wurde im Wintersemester 2014/2015 von der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) angenommen.

Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, wie sehr das gegenwärtige Brasilien – sowohl in Bezug auf seinen kulturellen Reichtum als auch im Hinblick auf seine sozialen Probleme – noch immer vom 19. Jahrhunderts geprägt ist. Um zu erklären, wie teilweise bis heute wirksame kollektive Selbst- und Fremdbilder zustande kamen, habe ich deren Inszenierung im Rahmen nationaler und internationaler Ausstellungen untersucht. So hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kein anderes lateinamerikanisches Land der Beteiligung an den großen Weltausstellungen in Europa und den USA mehr Bedeutung beigemessen als Brasilien. In diesem Zusammenhang habe ich vor allem die Entstehung einer spezifisch »brasilianischen« visuellen Kultur sowie deren Verflechtung mit global wirkenden Diskursen über »Fortschritt«, »Zivilisation« und »Rasse« beleuchtet. Meine Herangehensweise war zudem von dem Gedanken geleitet, die transnationalen Einflüsse im Prozess der Nationsbildung offenzulegen und somit die ältere, oft zu sehr auf endogene Prozesse fixierte Geschichtsschreibung, zu revidieren. Aufgrund der globalgeschichtlichen Perspektive der Arbeit ist die Verwendung von Quellen aus europäischen, US-amerikanischen und brasilianischen Beständen gewissermaßen eine Selbstverständlichkeit. Dass ich nach mehreren ausgedehnten Forschungsreisen meinen Lebensmittelpunkt ganz von Europa nach Lateinamerika verlagern würde, war ursprünglich jedoch nicht vorgesehen. Während ich zu Beginn der Arbeit noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter...

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