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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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Polyvalenz und Sinnstreuung – wenn Comics zitieren. Einige Einblicke in Art Spiegelmans Breakdowns

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In einer vor kurzem erschienenen Studie über das Phänomen der Interpiktorialität eröffnet Monika Schmitz-Emans ihren Aufsatz über die Comicfassung des Romans von Marcel Proust À la recherche du temps perdu mit dem Satz: „Der Comic ist eine Kunst des Zitats“.1 Ich möchte dieses Diktum leicht modifizieren, und zwar durch die Paraphrase des Titels eines der Standardwerke der comic studies: „Die Kunst des Zitats ist unsichtbar“.2 Dies trifft auf alle Comics zu, und ganz besonders auf jene, die andere Comics zitieren, was nur ein versierter Comicleser erkennt. Was bedeutet es aber, dass Zitate im Comic unsichtbar sind? Und – warum sind sie es? Erstens bietet der Comic zu viele sichtbare Elemente3 – was sich aus der medialen Verschränkung von Text und Bild ergibt – so dass der Leser ständig beides zugleich erfassen muss, um dem Narrativ zu folgen.4 ← 195 | 196 → Zweitens zitiert das Medium auf vielen Ebenen:5 auf der medialen Ebene (wenn Filmbilder oder Fotos zitiert werden), auf der Ebene der Diegese (wenn konkrete Figuren oder Motive auftauchen) oder gar auf der narrativen Ebene (wenn eine Erzähl- oder Fokalisierungsperspektive übernommen wird). Die Intermedialität des Comics, die die Vielschichtigkeit der Zitationsebenen generiert, sowie die dem Medium inhärente Wiederholung machen Zitierungsverfahren zu einer natürlichen Komponente von Comics. Besonders unsichtbar wird das Netz der Verweise im Fall der Selbstreferenz (wenn Comics andere Comics zitieren), was durch die Übernahme eines Zeichenstils, einer Figur, einer Panelstruktur, einer Fokalisierung, ja sogar des Formats erfolgen kann. Im...

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