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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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The medium is the monster – Die monströsen Bildschirmadaptionen von R. L. Stevensons Jekyll & Hyde.

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Johannes Weber

The medium is the monster – Die monströsen Bildschirmadaptionen von R. L. Stevensons Jekyll & Hyde

Unter den vielen Monstern, die den Film seit seinem Entstehen im ausgehenden 19. Jahrhundert bevölkern, nimmt der Doppelgänger eine besondere Rolle ein. Bereits früh zeigten Filme Menschen, die auf der Kinoleinwand ihrem eigenen Abbild begegnen – und damit auch zu Stellvertretern des Filmzuschauers werden. In Stellan Ryes und Paul Wegeners Der Student von Prag (1913) beispielsweise überredet ein Scharlatan den Studenten Balduin zum Verkauf seines Spiegelbilds, das alsdann ein fatales Eigenleben entwickelt. Bereits ein halbes Jahr zuvor erschien der Film Der Andere (Regie: Max Mack), in dem sich der Berliner Rechtsanwalt Hallers im Schlaf in einen Kriminellen verwandelt. Den Kinozuschauern, die Paul Lindaus gleichnamiges Bühnenstück aus dem Jahr 1893 kannten, mag Macks Film selbst als Doppelgänger erschienen sein: In der Hauptrolle war mit Albert Bassermann erstmals einer der führenden Theaterschauspieler seiner Generation in einer Filmrolle zu sehen. Nachdem er die Kinopremiere von Der Andere besucht hatte, reimte Kurt Tucholsky fröhlich: „Der Kintopp zieht uns alle an – selbst Bassermann – selbst Bassermann“.1

Schon Lindaus Vorlage kann allerdings als Variation eines noch heute wohlbekannten Stoffes gelten, der sich vor allem auf den Bühnen der 1890er Jahre großer Beliebtheit erfreute: die Verwandlung des ehrbaren Dr. Jekyll in den ruchlosen Mr. Hyde. Bereits ein Jahr, nachdem Robert Louis Stevenson seine Novelle Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde veröffentlicht...

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