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Medienkollisionen und Medienprothesen

Literatur – Comic – Film – Kunst – Fotografie – Musik – Theater – Internet

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Edited By Gudrun Heidemann and Susanne Kaul

Mediale Bezugnahmen wie Intertextualität, Metamedialität, Translation, Umschrift oder Umkodierung von Text- und Bildformaten können als Medienprothetik aufgefasst werden: Wenn Marshall McLuhan Medien grundsätzlich als extensions of man versteht, so beinhaltet dies die zunehmende Ausweitung körperlicher oder medialer Begrenztheit mittels technologischer Innovationen. Als derart verstandene Prothesen können Medien Defizite indes nicht nur kompensieren, es kann auch zu Widerständen gegen die mediale Übertragung kommen. Die Beiträge dieses Bandes beleuchten den kulturkritischen Hintergrund der McLuhanschen Medientheorie (Freuds Prothesenlogik), und in zahlreichen Fallstudien loten sie die Bandbreite der medialen Kollisionsmöglichkeiten an Beispielen aus Literatur, Comic, Film, bildender Kunst, Fotografie, Musik, Theater und Internet aus.
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Kollision oder Umkodierung? Zur ‚treuen‘ Literaturverfilmung am Beispiel von Werner Herzogs Woyzeck

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Literaturverfilmung ist ein Aspekt der Film- und Medienwissenschaft, der in der Forschungsliteratur bereits sehr breit besprochen wurde.1 Es ist nicht das Ziel dieses Artikels, grundsätzlich etwas Neues zu dieser Problematik beizutragen. Der Schwerpunkt des Bandes Medienkollisionen und Medienprothesen provoziert allerdings eine vertiefte Reflexion über die Kollisionen, die zwischen den Zeichen des Films und der Literatur entstehen sowie über ‚Prothesen‘, die eine filmische Adaption konstruiert, um aus einem literarischen ein multimediales Werk zu machen. Literaturverfilmung kann darüber hinaus selbst als ‚Prothese‘ zum literarischen Text gedeutet werden: als ein medialer ‚Ersatz‘ für ein literarisches Werk. Das abstrakte Medium der Sprache werde dank der Sinnlichkeit des Bildes und des Tones belebt. Es ist ja offensichtlich, dass der Film – ohne auf die Sprachkunst zu verzichten – „im Unterschied zum verbalen Code, der auf arbiträre, symbolische Zeichen rekurriert und strukturell homogen ist, heterogen […] und nicht arbiträr [sei], da er sich aus akustischen und optischen Komponenten zusammensetzt, die auch im außerfiktionalen Bereich vorkommen.“2 So sei die filmische Adaption einfacher zu verstehen als die literarische Vorlage – denkt man oft. An einem Beispiel wird gezeigt, dass Bild und Ton zwar ‚Prothesen‘ sind, indessen sind sie kein ‚Ersatz‘ und keine Erleichterung der Rezeption dank Hinzufügung ← 117 | 118 → sinnlicher Medien, sondern sie bedeuten eine Vertiefung, Erklärung und Neuinterpretation des Textes.

Die Wahl fällt auf Woyzeck von Werner Herzog aus dem Jahre 1979. Zu Herzogs Produktion liegen zwei grundverschiedene Deutungen in der Forschungsliteratur vor. Emmanuel Carrère behauptet,...

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