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Das Gen und seine Geschichte

Naturwissenschaftliche und philosophische Hintergründe der modernen Genetik- Lebewesen im Spiegel der Wissenschaftshistorie

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Kurt Otto Plischke

Gene steuern Pflanze, Tier und Mensch. Das Gen ist das Atom der Biologie. Wie kam es zu diesem Modell, das 1953 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde? Welche Einwände gibt es gegen das Modell? Dieses Buch verfolgt erstmalig in den Originaltexten der beteiligten Forscher die Ursprünge der Vorstellung aus der Entstehung der Biologie im Jahr 1800 über die Gründung der Genetik 1906 bis in die Gegenwart. Die Auffassung von der Lebendigkeit des Lebenden wandelte sich entsprechend dem Selbstverständnis der Wissenschaft. Eine physiologische Biologie ersetzte die Naturphilosophie. Leben, Organismen und Gene werden definiert in den Gesetzen von Chemie und Physik. Das Gen und seine Geschichte beleuchtet die Folgen für unser Bild von Mensch und Natur.
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I. Ergebnisse der Forschung und Problemstellung

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I.    Ergebnisse der Forschung und Problemstellung

Die Geschichte der Naturwissenschaften wird in ihrer fortschreitenden Disziplinierung in Teilgebiete begleitet von historischen und wissenschaftstheoretischen Reflexionen. Sie folgen der Spezialisierung und geben aus eigener Perspektive der jeweiligen Fachgebiete Rechenschaft über deren Geschichte. Hingegen sind allgemeine Einordnung, Vergleich, Übersetzung der Merkmale in der Begriffsentwicklung eine Aufgabe von Wissenschaftstheorie und -geschichte als solcher. Sie reichen bis in die Erkenntnistheorie. Die Kategorien zu diesem Zweck stammen nicht aus den Naturwissenschaften. Denn sie thematisieren deren Maßstäbe – eine Leistung, die, ehemals federführend von der Theologie erbracht, säkularisiert fortgeführt wird von Philosophie und allgemeiner Wissenschaftsgeschichte. Auch solche Arbeit kann sich der disziplinären Gliederung anschließen. Doch wird sie zugleich deren Grenzen beleuchten – worin sich die Medizingeschichte und Philosophie nahekommen, etwa in einer sich begriffs- und problemgeschichtlich ausrichtenden historischen Epistemologie. Hans-Jörg Rheinberger weist ihr die Methode zu, nach den Mitteln zu fragen,

„mit denen Dinge zu Objekten des Wissens gemacht werden, an denen der Prozess der wissenschaftlichen Erkenntnis in Gang gesetzt sowie in Gang gehalten wird“. (Rheinberger 2007: 11)

Zum Verständnis der Einflussgrößen in der Entstehung von Forschungszwecken sei es unverzichtbar, historische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Hinsichtlich des Anscheins einer rein faktenbezogenen Empirie als dem modernen wissenschaftlichem Ideal merkt Lutz Geldsetzer grundsätzlich an: Das epistemische Moment der Wissenschaft liege vielmehr in der Theoriebildung, indem sie zwischen Daten, Fakten einen Zusammenhang stifte, Antworten auf die Warum-Frage bezüglich der Fakten gebe. Notwendigerweise wirke somit die...

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