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Die Medizinische Fakultät Freiburg 1945 bis 1969/1970

Entwicklungslinien und Protagonisten im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit

Nadine Kopp

Die Studie beschäftigt sich mit der Entwicklung der Medizinischen Fakultät zwischen 1945 und 1970. Im Fokus der Untersuchung steht dabei das Spannungsverhältnis zwischen Medizinischer Fakultät und öffentlichem Raum, der wiederum die regionale Öffentlichkeit, repräsentiert durch die Stadt Freiburg, die universitäre Öffentlichkeit sowie die Öffentlichkeit der westdeutschen Universitäten insgesamt umfasst. Ausgehend von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum Ende der 1960er wird die Frage nach dem Selbstverständnis und nach der öffentlichen Selbstdarstellung der Freiburger Universitätsmediziner aufgeworfen und anhand eines breiten Quellenspektrums untersucht. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass neben der medizinischen Wissenschaft auch die Öffentlichkeits- und Patientenorientierung zentrale Faktoren im Denken und Handeln der Medizinischen Fakultät Freiburg waren.
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6.3 Verwissenschaftlichung und öffentliches Interesse an medizinischen Themen – Selbstverständnis und Selbstdarstellung der Medizinischen Fakultät in den 1960er Jahren

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Während die Träger der Störaktionen überwiegend aus der Philosophischen Fakultät stammten, war es bei den Medizinern vergleichsweise ruhig geblieben. Die unterschiedliche Ausprägung der Studentenunruhen hatte dem 1967 nach Freiburg berufenen Medizinhistoriker Seidler zufolge v.a. damit zu tun, dass der „typische 68er Medizinstudent […] kein Revoluzzer“824 war. Vielmehr habe es sich um „nachdenkliche, wissenwollende, sehr hart fragende, aber keine Steine schmeißenden“825 Studenten gehandelt. Diese Einschätzung entsprach sowohl der Wahrnehmung von Studierenden anderer Fachrichtungen – sie sahen in den Medizinern in erster Linie brave, angepasste Kommilitonen, die sich zwar für Politik interessierten, aber kaum selbst aktiv wurden, da sie im Zweifelsfall dem Medizinstudium den Vorrang gaben – als auch der Selbstwahrnehmung der Medizinstudierenden, die sich vornehmlich als unkritische, durchschnittlich intelligente, „sture Pauker“826 beschrieben. Die verhältnismäßig moderaten ← 289 | 290 → Zustände in der Medizin während der Studentenrevolte dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auch die Medizinkritik verändert hatte: So setzten sich die Studierenden in der Medizin erstmals dafür ein, überhaupt gehört zu werden:

Wir kämpften überhaupt nur dafür, gehört zu werden und viel in dieser Zeitschrift [=FSZ, Anm. der Verf.] geht darum, dass diese Kerle uns gar nicht ernst nahmen. Wir haben zunächst einmal nur darum gekämpft, dass wir mit denen sprechen durften und im Nachhinein denke ich, wenn die uns ernster genommen hätten, wenn die mit uns geredet hätten, dann hätten wir auch nicht...

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